Auflösung des Warschauer Paktes
- Datum:
- Ort:
- Europa
- Lesedauer:
- 1 MIN
Als Gastgeber des letzten Gipfels des Warschauer Paktes war es dem tschechoslowakischen Präsidenten Václav Havel vorbehalten, mit der Sitzungsglocke zugleich die Totenglocke für das sowjetisch geführte Militärbündnis zu läuten. Bereits im Februar 1991 hatten dessen Außen- und Verteidigungsminister in Budapest die Beendigung jeglicher militärischer Zusammenarbeit vereinbart.
Ende einer Ära: Der tschechoslowakische Präsident Václav Havel (m.) unterzeichnet den Vertrag zur Auflösung des Warschauer Paktes
picture alliance / CTK | Petr MatickaDer 1955 geschlossene „Warschauer Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“ hatte ursprünglich acht Mitglieder. Albanien trat 1968 aus, die DDR im September 1990. Und so saßen neben Havel nur noch die Präsidenten Polens, Rumäniens und Bulgariens sowie der ungarische Ministerpräsident mit am Tisch. Der wichtigste Mann fehlte in Prag. Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow ließ sich durch seinen Vizepräsidenten vertreten.
Gennadi Janajew nutze die Gelegenheit für die Forderung, dass nun die Auflösung der NATO folgen müsse. Der ungarische Ministerpräsident József Antall widersprach ihm: „Die wiedererstarkte NATO ist eine Garantie für die europäische Sicherheit, und dasselbe gilt für die Präsenz der Vereinigten Staaten in Europa.“
Knapp sieben Wochen später putschte Janajew erfolglos gegen Gorbatschow und beschleunigte, was er zu verhindern suchte: den ungebremsten Zerfall der Sowjetunion. Die hatte erst vier Wochen vor dem Prager Gipfel ihre letzten Soldaten aus der Tschechoslowakei und aus Ungarn abgezogen. Ex-sowjetische, nun vereinfacht als russisch bezeichnete Truppen blieben noch bis 1993 in Polen und bis 1994 im Osten Deutschlands stationiert.
Der Beitrag erschien in der Ausgabe 3/2026 der „Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung„.
von Klaus Storkmann„Geschichte kompakt“ ist eine Rubrik der Zeitschrift „Militärgeschichte“. Die Beiträge konzentrieren sich auf wesentliche Fakten und ordnen die Ereignisse in einen größeren historischen Zusammenhang ein.