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Litauen-Dossier

Blutsonntag in Vilnius, 13. Januar 1991

Geschichte
Datum:
Ort:
Litauen
Lesedauer:
2 MIN

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Am 13. Januar 1991 spielten sich gewaltsame Szenen in Litauens Hauptstadt Vilnius ab: Sowjetische Soldaten waren einmarschiert und versuchten die Macht in dem inzwischen unabhängigen baltischen Staat zu übernehmen. Doch die Litauerinnen und Litauer kämpften für ihre Freiheit.

Panzer fahren auf einer Straße durch eine Reihe von Autos, daneben stehen zahlreiche Menschen.

Sowjetische Panzer in Litauens Hauptstadt: 15 Tote und 100 Verletzte sind die traurige Bilanz des "Blutsonntags" in Vilnius.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Alexander Zemlianchenko

Vormarsch der Panzer

Die 20-Uhr-Tagesschau eröffnete am 13. Januar 1991 mit folgender Nachricht: „In Litauen hat praktisch die Sowjetarmee die Macht übernommen. Beim Vormarsch der Panzer in Wilna gab es Tote und Verletzte.“ Das sowjetische Militär halte alle wichtigen Punkte in der Hauptstadt besetzt. Aber: „Nach wie vor versuchen zehntausende Menschen, die Erstürmung des Parlaments zu verhindern.“ 

Knapp ein Jahr zuvor, am 11. März 1990, hatte der erstmals frei gewählte Oberste Sowjet der litauischen Sowjetrepublik für die Unabhängigkeit und die Wiederherstellung der 1940 besetzen Republik Litauen gestimmt. Die Litauer (wie auch die Letten und Esten) ließen sich durch eine Wirtschaftsblockade nicht von ihrem Streben nach Freiheit abbringen. Der erst im Dezember 1990 mit dem Friedensnobelpreis geehrte sowjetische Präsident Michail Gorbatschow ließ Panzer rollen. Diese gehörten zur in Vilnius stationierten 107. Mot. Schützendivision. Zusätzlich waren am 8. und 9. Januar die im russischen Pskow stationierte 76. Gardeluftlandedivision und die „Alfa“-Spezialeinheiten des Geheimdienstes KGB als Verstärkung nach Litauen gebracht worden. Am Freitag, den 11. Januar, und am Tag darauf besetzen sie die Gebäude des im Aufbau befindlichen litauischen Verteidigungsministeriums, der Polizei und erste Medieneinrichtungen. Rund um den Fernsehturm und das Sendezentrum hatten sich Menschen zu deren Verteidigung versammelt. Am Sonntag, um 1.50 Uhr nachts fielen dort Schüsse. Elf Demonstranten wurden tödlich getroffen, zudem ein Leutnant der „Alfa“-Einheit durch friendly fire. Zwei Demonstranten wurden von Panzern zerquetscht. Ein Demonstrant erlitt einen tödlichen Herzinfarkt. Nach knapp zehn Minuten hatten die Soldaten das Sendezentrum erstürmt, die letzten Sekunden der Livesendung zeigen einen Soldaten auf die Kamera im Studio zu rennen. Die friedliche Verteidigung des Parlamentsgebäudes dagegen glückte. 20 000 Menschen hatten sich in der Nacht dort versammelt, 50 000 waren es am Sonntag. Es kam der Befehl zum Rückzug der sowjetischen Truppen. 

Fundamentale Fehleinschätzung

In der Tagesschau jenes Sonntags hieß es, die „sowjetische Zentralregierung hat die nach Unabhängigkeit strebende Baltenrepublik Litauen weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht“ – eine fundamentale Fehleinschätzung. Im August 1991 wiederholte sich das Geschehen von Vilnius nahezu eins zu eins in Moskau. Nach Scheitern des Putsches gegen Gorbatschow entließ die nun rasant zusammenbrechende Sowjetunion Litauen am 6. September 1991 in die Unabhängigkeit. Noch zwei Jahre verblieb die 107. Mot. Schützendivision in Vilnius. 1993 wurden sie und die letzten anderen Verbände nach Russland verlegt.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe 1/2026 der Zeitschrift „Militärgeschichte“.

von Klaus Storkmann

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Widerstand und Unabhängigkeit

Der Weg zur Unabhängigkeit musste hart erkämpft werden: von „Litauer Kriegen“ zu „Polnischen Teilungen“, bis zur Besetzung in beiden Weltkriegen. Erst der „Baltische Weg“ führte aus der Sowjetunion.

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