Beitritt Deutschlands zum Völkerbund
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Der Versailler Vertrag von 1919 beendete nicht nur den Ersten Weltkrieg zwischen dem Deutschen Reich und den westlichen Siegermächten. Darüber hinaus hob er die erste übernationale Organisation „zur Gewährleistung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit“ aus der Taufe – den Völkerbund.
Genf: Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, am Rande der Völkerbundsversammlung in einem Genfer Hotel: Außenminister Gustav Stresemann, Austin Chamberlain, Aristide Briand, Staatssekretär Karl von Schubert (von links nach rechts)
Bundesarchiv, Bild 102-13209/ o. Ang.Deutschland, dem die Siegermächte die Alleinschuld am Beginn des Krieges anlasteten, blieb von ihm zunächst ausgeschlossen. Erst die Außenpolitik Gustav Stresemanns, 1923 für kurze Zeit Reichskanzler und von 1923 bis zu seinem Tod 1929 Reichsaußenminister, wies auch für Deutschland den Weg zu einer Normalisierung der internationalen Beziehungen.
Als „Vernunftrepublikaner“ und nationaler Machtpolitiker gleichermaßen versuchte er, eine Revision des Versailler Vertrages und den Wiederaufstieg Deutschlands als europäische Großmacht zu erreichen – allerdings auf dem Wege der gegenseitigen Verständigung und vor allem dadurch, dass Deutschland sein volkswirtschaftliches Gewicht in die Waagschale warf. Eine gewaltsame Überwindung der Nachkriegsordnung kam für ihn schon aufgrund der militärischen Schwäche der Reichswehr nicht in Frage.
Nach einer schrittweisen Annäherung an Frankreich und dem Abschluss der Locarno-Verträge 1925 gelang bereits ein Jahr später die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund als ständiges Mitglied des Völkerbundrates neben Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Unwidersprochen blieb dies nicht: Das Gründungsmitglied Brasilien, das trotz seines politischen Gewichts in Südamerika keinen ständigen Sitz im Rat hatte, protestierte und erklärte seinen Austritt. Für Deutschland allerdings war ein großer Schritt auf dem »langen Weg nach Westen« (Heinrich August Winkler) getan.
Der Beitrag erschien in der Ausgabe 3/2026 der „Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung“.
von Dennis Werberg„Geschichte kompakt“ ist eine Rubrik der Zeitschrift „Militärgeschichte“. Die Beiträge konzentrieren sich auf wesentliche Fakten und ordnen die Ereignisse in einen größeren historischen Zusammenhang ein.