ZMSBw/ERGOMAS Workshop: „Civil–Military Relations in the Euro-Atlantic Area“
- Datum:
- Ort:
- Potsdam
- Lesedauer:
- 2 MIN
Das Verhältnis von Streitkräften, Politik und Gesellschaft war Thema eines internationalen Workshops, der vom 18. bis 20. November 2025 am ZMSBw stattfand. Den Workshop über die zivil-militärischen Beziehungen im euro-atlantischen Raum organisierte das ZMSBw gemeinsam mit der „European Research Group on Military and Society“ (ERGOMAS), der führenden militärsoziologischen Fachvereinigung in Europa.
Die Teilnehmenden des CMR Workshops in der Bibliothek des ZMSBw.
Bundeswehr/Annette BesserWissenschaftlerinnen und Wissenschaftler universitärer und streitkräftenaher Forschungseinrichtungen aus den USA, Kanada und vielen europäischen Staaten präsentierten zumeist Länderstudien zu politischen, gesellschaftlichen und strategischen Aspekten zivil-militärischer Beziehungen. Im Fokus standen jeweils zwei Fragen: Welchen Einfluss haben demokratische Entwicklungen auf die Ausgestaltung der zivil-militärischen Beziehungen? Und, wie wirken sich der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie die veränderte Haltung der US-Regierung zur NATO auf die nationalen Verhältnisse von Streitkräften, Politik und Gesellschaft aus?
Die Beiträge der Expertinnen und Experten boten vielschichtige Einblicke in aktuelle Entwicklungen der zivil-militärischen Beziehungen im euro-atlantischen Raum. Exemplarisch zeigten Analysen zu Rumänien, der Türkei und Deutschland, wie nationale Dynamiken zivil-militärische Arrangements prägen, während Studien zum Kosovo und den USA zusätzliche Perspektiven auf gesellschaftliche und historische Einflussfaktoren eröffneten. Ergänzend diskutiert wurden Überlegungen zur zukünftigen Ausrichtung militärischer Strukturen, zur Einbindung der Streitkräfte in zivile Krisensituationen und zu neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen, wie Desinformation oder dem Schutz kritischer Infrastrukturen – etwa mit Blick auf Finnland oder Litauen. Die Beiträge des Workshops widmeten sich auch langfristigen Entwicklungen, darunter Reformprozessen im Sicherheitssektor, Veränderungen parlamentarischer Kontrollmechanismen und der Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure.
Neben dem wissenschaftlichen Austausch bot der Workshop auch die Gelegenheit, historische Perspektiven einzubeziehen. Ein Besuch der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam ermöglichte den Teilnehmenden einen Einblick in die Geschichte politischer Repressionen und Verfolgung im 20. Jahrhundert und deren Bedeutung für heutige demokratische Institutionen.
Sami Makki (ERGOMAS), Jeronimo L. S. Barbin (ZMSBw) und Ina Kraft (ZMSBw) leiten die Abschlussdiskussion.
Bundeswehr/Finn ReifschlägerDie Workshop-Diskussionen offenbarten deutlich, dass sich die zivil-militärischen Beziehungen im euro-atlantischen Raum derzeit unter dem Einfluss demokratischer und sicherheitspolitischer Veränderungen wandeln. So unterschiedlich die politischen, gesellschaftlichen und historischen Voraussetzungen der betrachteten Länder auch sind, die präsentierten Fallstudien zeigten, dass kein Staat von diesen Dynamiken unberührt bleibt.
Der Workshop unterstrich daher die Notwendigkeit eines vertieften wissenschaftlichen Dialogs über die Rolle der Streitkräfte in demokratischen Staaten, die Funktionsfähigkeit demokratischer Kontrolle und die Weiterentwicklung tragfähiger sicherheitspolitischer Strukturen. Die im Rahmen des Workshops präsentierten Beiträge bilden die Grundlage für einen geplanten Sammelband, der diese Erkenntnisse systematisch aufbereiten und einem breiteren Publikum zugänglich machen soll.
von Finn Reifschläger & Jolina ZardaKooperationen, Vorträge, Work-Shops oder Tagungen des ZMSBw