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Veranstaltungsbericht

Buchvorstellung: Vom Ende der DDR und NVA

Gleich zwei Neuerscheinungen wurden am 29. Oktober 2025 präsentiert, die das Ende der DDR und der Nationalen Volksarmee sowie die Phase des Übergangs in die Bundesrepublik thematisieren. Generalleutnant a. D. Rainer Glatz stellte die Bücher im ZMSBw vor.

Mann am Pult

Der Leitende Wissenschaftler des ZMSBw Alaric Searle führte in das Thema ein und stellte den Referenten vor.

Bundeswehr/Andrea Nimpsch

Einführung

Der Leitende Wissenschaftler des ZMSBw, Alaric Searle, knüpfte in seiner Einführung an ein aktuelles Streitthema an: Sollen ehemalige NVA-Soldaten, obwohl sie damals nicht in die Bundeswehr übernommen wurden, heute als Reservisten dienen? Dank längerer Wehrpflicht- und Dienstzeiten seien sie hervorragend ausgebildet und es gebe nach 35 Jahren keine Zweifel mehr an ihrer Treue zum Staat, so die Befürworter. Kritiker weisen darauf hin, dass selbst die Jüngsten unter ihnen, die 1989 mit 18 Jahren in die NVA zum Wehrdienst eingezogenen Männer, heute mindestens 54 Jahre alt seien und seit 35 Jahren keine militärische Übung mehr absolviert hätten. Hinzu kommt, dass In-der-NVA-Gediente ohne späteren Dienst in der Bundeswehr den Status „Gedient in fremden Streitkräften“ erhalten hatten – damit war eine Verwendung als Reservist in der Bundeswehr explizit ausgeschlossen.

Zwei Bücher zum Ende der NVA

Diese Entscheidung ist nur ein Beispiel für die vielen richtungsweisenden Entscheidungen von 1990, die beide Publikationen zur Geschichte des Endes der NVA thematisieren. Was führte zum Untergang der DDR? Warum blieb die Revolution friedlich? Wie ging die Bundesrepublik mit der NVA und ihren Soldatinnen und Soldaten 1990 um? 

Der von Jörg Echternkamp und Klaus Storkmann herausgegebene Band „Vom Verschwinden der NVA“ beantwortet diese Fragen anhand der Erinnerungen und Einschätzungen von Entscheidungsträgern. Die in diesem Buch versammelten Rückblicke gehen mit einer Ausnahme auf Interviews der MGFA-Historiker Hans Ehlert und Rüdiger Wenzke in den Jahren 1998 bis 2002 zurück. Der zweite Band „Armee der Einheit?“ von Matthias Rogg wirft auf der Grundlage von bislang nicht erschlossenen Quellen einen differenzierten Blick auf die sicherheitspolitischen Aspekte des Vereinigungsprozesses. Der Referent des Abends, Rainer Glatz, ging in seinem Vortrag auf die Inhalte und Schwerpunktsetzungen der beiden Veröffentlichungen ein.

Generalleutnant a. D. Glatz als Zeitzeuge 

Mann mit Brille

Generalleutnant a. D. Rainer Glatz stellte die Neuerscheinungen zum Thema 35 Jahre Armee der Einheit/Ende der NVA dem Publikum vor.

Bundeswehr/Andrea Nimpsch

Rainer Glatz hat die politischen und militärischen Entscheidungen der Wendezeit und der Einheitsjahre aus nächster Nähe miterlebt. In den Jahren 1987 bis 1989 war er als persönlicher Referent von Horst Teltschik tätig, der als Abteilungsleiter 2 im Bundeskanzleramt nicht nur die Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik im Kanzleramt leitete, sondern auch eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen zur deutschen Einheit spielte. 1989 bis 1991 führte Glatz das Kommando über das Panzergrenadierbataillon 12 in Osterode am Harz. Hier dienten auch Rekruten aus den Neuen Bundesländern.

Wichtige Neuerscheinungen zur DDR-Forschung 

Glatz skizzierte die wichtigsten Inhalte und Thesen des 250 Seiten umfassenden kompakten Überblicks „Armee der Einheit?“ von Matthias Rogg: angefangen bei der Bundeswehr und der NVA in den 1980er-Jahren im Kontext der internationalen Entspannungspolitik und des „zweiten Kalten Krieges“ über die Bedeutung der friedlichen Revolution und den Vereinigungsprozess bis zum Aufbau der Bundeswehr in den neuen Bundesländern. Glatz hob das Schlusskapitel „Armee der Einheit als Politisches Narrativ und historischer Ort“ hervor, das neue Perspektiven eröffne und viel zum Verständnis der Geschichte beitrage.

verschiedene Besucher bei der Buchpräsentation

Die Buchpräsentation mit den zwei Neuerscheinungen zum Ende der NVA und zur Armee der Einheit im ZMSBw war gut besucht.

Bundeswehr/Andrea Nimpsch

Einen „zeitgeschichtlichen Schatz“ nannte Glatz die Erinnerungen politischer und militärischer Entscheidungsträger, die das Buch „Vom Verschwinden der NVA 1989/90“ dokumentiert. Die abgedruckten Interviews, die mit dem Abstand von 10 Jahren nach der Einheit geführt wurden, seien jetzt mit dem Abstand von 35 Jahren selbst zu einem historischen Dokument geworden. Glatz lenkte das Interesse der Zuhörenden auf das Schlusskapitel, in dem die Herausgeber Jörg Echternkamp und Klaus Storkmann unter der Überschrift „Variationen des Primats der Politik“ diese Erinnerungen ordnen und interpretieren und so Antworten auf die eingangs gestellten und viele andere Fragen anbieten.

Glatz betonte, dass beide Bücher einen wichtigen Beitrag zur historischen und politischen Bildung leisten und eine bedeutende Leistung für die Erforschung der DDR darstellen. Sie zeichnen sich durch Wissenschaftlichkeit und Verständlichkeit aus und ergänzen sich dank unterschiedlicher Perspektiven. Deshalb sei ihr zeitgleiches Erscheinen ein großer Gewinn.

Der anschließende Empfang bot dem Publikum Gelegenheit, mit dem Referenten, dem Autor und den Herausgebern und nicht zuletzt miteinander ins Gespräch zu kommen.

von Dorothee Hochstetter

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