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Veranstaltungsbericht

ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr auf der MSCMunich Security Conference: Innovationen für die europäische Sicherheit

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 kamen Experteninnen und Experten, Praktikerinnen und Praktiker auf einem vom ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr mitorganisierten Panel ins Gespräch. Sie diskutierten die Frage, welche Bedeutung Drohnen für die Kriegführung besitzen und welche Rolle Innovationssysteme für die künftige Organisation europäischer Sicherheit spielen werden.

zwei Männer und zwei Frauen sitzend auf Podium in Diskussion

Prof. Dr. Alaric Searle, Leitender Wissenschaftler des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Maryna Hrytsenko, Snake Island Institute, Mary Kaldor, Professorin der London School of Economics and Political Science und Jon-Wyatt Matlack von der Universität Regensburg (v.l.n.r.)

Elena Goldhofer/Universität Regensburg

Die Veranstaltung „A Historian, a Political Strategist and a General Walk into a Drone Assembly Workshop. How to Get Serious About Deterrence, Warfare and Multilateralism across theory, practice and defence-tech innovation“ fand im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 (MSCMunich Security Conference) als offizielles Side Event im Amerikahaus München statt. Sie richtete sich sowohl an Teilnehmende der Konferenz als auch an die interessierte Öffentlichkeit. Das ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr der Bundeswehr war mit seinem Leitthema „Militär und Gewalt“ Partner des Think Tanks LSE IDEAS der London School of Economics sowie des Leibniz Science Campus Europe and America (Regensburg) bei der Ausrichtung des Panels. Mit rund 100 Gästen brachte das Format politische Beraterinnen und Berater, akademische Expertinnen und Experten sowie Vertreterinnen und Vertreter der Defence-Tech-Industrie ins Gespräch. Ziel der Veranstaltung war es, aktuelle Bruchlinien im Umgang mit militärischer Gewalt, Krieg, Verteidigung und Innovation zu vermessen und die jeweils intensiv, jedoch häufig isoliert geführten Debatten dieser Bereiche systematisch miteinander in Beziehung zu setzen. Auch sollte auf sich daraus ergebende Wechselwirkungen aufmerksam gemacht werden. Konzipiert als integraler Bestandteil der MSCMunich Security Conference, war die Veranstaltung programmatisch an das Kernprogramm angebunden und zugleich in die Debatten des Amerikahauses, insbesondere das Programm Emerging Leaders, eingebettet.

eine Frau, ein Mann im Anzug und eine Frau mit Mikrofon sitzend auf dem Podium

Rechts: Cindy Wittke-Hohlfeld vom Leibniz Institute for East and Southeast European Studies (IOS) Regensburg

Elena Goldhofer/Universität Regensburg

Innovation im Gefechtsfeld und in der Beschaffung

Cindy Wittke-Hohlfeld (Leibniz Institute for East and Southeast European Studies Regensburg) moderierte die Diskussion. Es diskutierten mit ihr Maryna Hrytsenko vom Snake Island Institute (Kyjiw), Mary Kaldor, Professorin der London School of Economics and Political Science, Jon-Wyatt Matlack von der Universität Regensburg, Josef Kranawetvogl vom Defence-Tech-Unternehmen STARK sowie Prof. Dr. Alaric Searle, Leitender Wissenschaftler des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Ausgangspunkt der Überlegungen war die Beobachtung, dass unbemannte Systeme und Drohnenkriegsführung – besonders wird dies deutlich im Krieg in der Ukraine – nicht nur die Praxis der Gefechts- und Operationsführung, sondern auch Beschaffungsprozesse verändern. Nicht zuletzt werden dadurch Abschreckung, militärische und gesellschaftliche Verteidigungsfähigkeit, ja sogar sicherheitspolitische Ordnungen insgesamt nachhaltig beeinflusst.

ein Mann auf Stuhl und eine Frau auf Stuhl reden miteinander

Der Leitende Wissenschaftler des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Prof. Dr. Alaric Searle

Elena Goldhofer/Universität Regensburg

Zentrale Fragestellungen

Die Diskussion orientierte sich an folgenden zentralen Leitfragen: Wie gestaltet sich das Spannungsverhältnis zwischen hochentwickelten, kostenintensiven Waffensystemen und dem wachsenden Bedarf an massenhaft verfügbaren, kostengünstigen und Verlust toleranten „attritable“-Systemen? Welche innovationspolitischen und produktionstechnischen Realitäten prägen heutige Rüstungs- und Verteidigungsfähigkeiten? Wie lassen sich operative Erfahrungen vom Gefechtsfeld sowie technologische Entwicklungen wirksam in politische Entscheidungsprozesse übersetzen? Welche strukturellen und institutionellen Lehren kann Europa aus den Formen schneller Anpassung unter Kriegsbedingungen ziehen, die die Menschen in der Ukraine seit mittlerweile vier Jahren alltäglich erleben? Und welche Bedeutung kommt gesellschaftlicher Resilienz und Konzepten der Gesamtverteidigung zu, insbesondere vor dem Hintergrund einer zunehmenden Verwischung der Grenzen zwischen ziviler und militärischer Technologie?

drei Männer und drei Frauen reden sitzend auf Podium vor Publikum

Das Panel „A Historian, a Political Strategist, and a General Walk into a Drone Assembly Workshop: Getting serious about Deterrence, Warfare and Multilateralism“

Elena Goldhofer/Universität Regensburg

Verhältnisse austarieren

Die Veranstaltung zielte darauf ab, die neue Rolle kostengünstiger, schnell adaptierbarer Technologien zu analysieren, die in vielen Anwendungsfeldern etablierte, komplexe und kostenintensive militärische Fähigkeiten herausfordern oder unterlaufen. Diskutiert wurde, wie das Verhältnis von Masse und Präzision neu auszutarieren ist und in welchen Bereichen der Kriegführung diese Entwicklung besonders deutlich zutage tritt – aber auch, wo vielleicht nicht. Besonders in den Blick genommen wurden die Anpassungsfähigkeit der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Länder wie auch ihrer Waffensysteme an rasch wechselnde technologische und politische Rahmenbedingungen, die Auswirkungen auf den weiteren Kriegsverlauf in der Ukraine sowie die Konsequenzen für mögliche zukünftige Sicherheitsordnungen mit ihren militärischen, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Europa.

Eine Frau mit Mikrofon die eine Frage an das Podium stellt

Viele Wortbeiträge aus dem Publikum bereicherten die anschließende Diskussion

Elena Goldhofer/Universität Regensburg

Schneller und systematischer integrieren

Der Dialog zwischen Politikberatung, Wissenschaft und Defence-Tech-Entwicklung machte deutlich, dass isolierte Perspektiven den gegenwärtigen sicherheitspolitischen Transformationen nicht mehr gerecht werden. Vor allem die Erfahrungen aus der Ukraine unterstrichen die Bedeutung von umsichtigen Innovationsmanagement. Eine rückwärtsgewandte Rüstungsnostalgie im Sinne eines reinen „Mehr vom Alten“ erweise sich dabei als wenig zielführend sowohl für kurz-, mittel- und langfristige Investitionen. Stattdessen wurde die Notwendigkeit eines neuen – oder zumindest erweiterten – strategischen Mindsets betont. Das Panel unterstrich damit die Notwendigkeit, technologische Innovationsprozesse schneller und systematischer in politische Entscheidungsfindung, in militärische Doktrinbildung sowie in die Ausbildung der Streitkräfte zu integrieren. Angesichts verkürzter Innovationszyklen gelte es zudem, Finanzmittel gezielt einzusetzen und vor allem adaptive und skalierbare Strukturen in Politik, Industrie, aber auch im Militär und nicht zuletzt in der Gesellschaft zu schaffen. Insgesamt wurden zentrale Anknüpfungspunkte für die Einbringung der umfassenden geschichts- und sozialwissenschaftliche Expertise des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zum Verständnis der Gegenwart deutlich, dass auf diese Weise zum Aufbau von Handlungssicherheit in unsicheren Zeiten beitragen kann. 

Frau mit kurzem blondem Haar redet mit Mann

Moderatorin Cindy Wittke-Hohlfeld vom Leibniz Institute for East and Southeast European Studies Regensburg (Mitte) im Gespräch mit Teilnehmenden sowie Prof. Dr. Alaric Searle, Leitender Wissenschaftler des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (rechts).

Elena Goldhofer/Universität Regensburg

Mehrwert durch verschiedene Perspektiven

Der besondere Mehrwert der Veranstaltung lag in ihrem multisektoralen Ansatz. Durch die Verbindung aktueller Einblicke in die Entwicklungen in der Ukraine, fundierter Kenntnisse militärischer Gewalt und Abschreckung, geopolitischer Analysen sowie praxisnaher Einblicke aus militärischer Forschung und der Defence-Tech-Industrie wurde ein Denkraum eröffnet, der es erlaubte, gegenwärtige Formen militärischer Gewalt neu zu betrachten und diese auch neu zu verstehen. Der Blick auf das Phänomen Krieg wurde auf allen Ebenen neu vermessen. Exemplarisch zeigte der Austausch auf dem Podium die Potenziale eines übergreifenden Dialogs auf und stärkte zugleich das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer dauerhaften Vernetzung – wie sowohl die Diskussionsrunde als auch die anschließenden Gespräche mit dem Publikum verdeutlichten.

In dieser Hinsicht spiegelte die Veranstaltung die Munich Security Conference im Kleinen wider: als Forum, das unterschiedliche Wissensformen zusammenführt, um tragfähige Antworten auf zentrale Herausforderungen internationaler Sicherheit zu entwickeln. Im Falle dieses Panels lassen sich diese Herausforderungen neben dem Aufruf, „out of the box“ zu denken, mit vier Begriffen zusammenfassen: Innovationsfähigkeit, Schnelligkeit, Skalierung, Resilienz.

von Frank Reichherzer

Veranstaltungsberichte

Vorträge, Work-Shops und Tagungen am ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

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