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ZMG 3/2026

Der "Starfighter" – Eine gefährliche Affäre?

Der "Starfighter" – Eine gefährliche Affäre?

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In den 1960er-Jahren machte die Bundeswehr vor allem mit einem Thema Schlagzeilen: dem „Starfighter“. Das zu dieser Zeit neu beschaffte Flugzeug sollte unter anderem die deutsche nukleare Teilhabe im NATO-Bündnis absichern. Doch alsbald entwickelte sich der „Starfighter“ zum „Witwenmacher“ und trug sogar zur Ablösung des Inspekteurs der Luftwaffe bei.

Das Heck eines "Starfighter"-Flugzeug ragt aus dem Wasser, der vorderer Teil ist untergetaucht.

Militärgeschichte im Bild: Ein abgestürzter "Starfighter" war in den 1960er Jahren kein seltener Anblick.

General Flugsicherheit der Bundeswehr

Sind Sie schon mal mit einem Lockheed F-104G „Starfighter“ getaucht? Mit Sicherheit nicht oder wenigstens nicht freiwillig. Hauptmann Josef Hoffmann, Kampfflugzeugführer im Jagdbombergeschwader 33 aus Büchel in der Eifel, musste das erleben – zum Glück nicht in der Eifel, sondern im sommerlich warmen Griechenland, auf der Insel Korfu. 

Hoffmann war mit anderen Kampfflugzeugführern, wie die Luftwaffe ihre Jetpiloten nennt, zu einem Staffelaustausch in Griechenland. Dort startete er am 19. September 1967 zu einem Übungsflug. Der Bruch der Ölpumpenwelle in der Triebwerkhydraulik seines „Starfighters“ führte während des Fluges zum Schubverlust, gleichbedeutend mit zu wenig Antrieb. Er entschloss sich, auf dem Flugplatz Kerkira auf der Insel Korfu notzulanden, was ihm jedoch nicht gelang: Er schoss mit seiner Maschine über das Landebahnende hinaus und „landete“ im Mittelmeer. Während die Nase des „Starfighters“ in der Folge ungefähr drei Meter unterhalb des Wasserspiegels feststeckte, ragte das Heck oben heraus. 

Hoffmann wollte sich durch das nach links zu öffnende Kabinendach retten, was gegen den Wasserdruck indes nicht gelang. Er zurrte sich daher mit den Gurten am Schleudersitz fest und schoss sich durch das geschlossene Kabinendach aus, das ohne den Wasserdruck nach oben weggesprengt worden wäre, so aber geschlossen blieb, und erlitt schwere Verletzungen. Der beschädigte „Starfighter“ wurde anschließend nach Deutschland überführt, das unbeschädigte Heck zur Reparatur eines anderen „Starfighters“ genutzt und der Rest verschrottet. Bei diesem Unfall bewies der Schleudersitz der Firma Comet aus Bremen, heute ein Feuerwerkskörperhersteller, die außergewöhnlichen Eigenschaften dieses Rettungsmittels. Obwohl der Pilot sich unter Wasser befand, funktionierte der Sitz so wie vorgesehen. Das „Ausschießen“ (im Englischen „Bail out“) hatte auch in dieser ungewöhnlichen Situation das Überleben des Piloten gesichert.

Der „Witwenmacher“

Der Comet-Schleudersitz wurde Ende 1966 übergangsweise in „Starfighter“ der Luftwaffe und der Marineflieger eingebaut, nachdem das Flugzeug eine lange Krise durchlebt hatte. In der Öffentlichkeit galt es als „Witwenmacher“. Der Volksmund spottetet über die gerade zwischen 1964 und 1966 anhaltende Absturzserie mit mehr als 40 Totalverlusten: „Wie bekommt man einen “Starfighter„? Man kauft ein Grundstück und wartet, bis einer herunterfällt.“ Dabei hatten die während der bis 1987 dauernden militärischen Nutzung auftretenden Unfälle eine Vielzahl von Ursachen. Es gab aber nie „den einen“ Grund. Zu menschlichen Ursachen zählte beispielsweise die Bodenberührung im Tiefflug, wenn der Pilot aufgrund der geringen Flughöhe und hohen Geschwindigkeit die tatsächliche Flughöhe über dem Grund nicht mehr richtig einschätzen konnte, seinen Instrumenten nicht vertraute und so „räumliche Desorientierung“ erlebte. 

Jagdbomber Starfighter auf Rollfeld

Wundervogel oder „Witwenmacher“?: Am Kampfjet Starfighter scheiden sich bis heute die Geister der Flugbegeisterten.

Bundeswehr/Storz

Solche Unfälle endeten nahezu immer tödlich. Eine Umwelt-Unfallursache konnte „Vogelschlag“ sein, entweder infolge des Aufpralls auf dem Cockpit oder nach einem Treibwerksausfall, wenn ein Vogel durch die Lufteinlässe an den Seiten des Flugzeuges dorthinein geraten war. Bei Ersterem konnte ein Pilot im günstigen Fall noch landen, falls er nicht verletzt war. Bei Zweiterem zwang der Triebwerkausfall zum Ausstieg mit dem Schleudersitz. Zu den technischen Unfallursachen gehörte, dass die Schubdüse am Triebwerk ausfiel und der Schub nicht mehr geregelt werden konnte. Geschwindigkeitsverlust oder -überschuss führte dann zu einer nicht mehr steuerbaren Maschine. Der Ausstieg war die einzige Überlebensmöglichkeit. 

Der Schleudersitz als Lebensversicherung

Bei vielen Unfällen kam es also auf den Schleudersitz an. Der anfänglich im „Starfighter“ eingebaute C2-Schleudersitz der Firma Lockheed war vielfach unzuverlässig und aufwändig in der Bedienung: Der Pilot musste vor dem Start einen Fallschirm anlegen und „Sporen“ an seinen Schuhen befestigen, die vor dem Ausstieg mit dem Sitz verbunden sein mussten. Die Sitz-Mann-Trennung versagte nach dem Ausschuss mehrfach. Mitunter wurde der Pilot von seinem Sitz erschlagen, weil sich dieser nicht automatisch im Ausschuss stabilisierte. Neuere und ab Herbst 1966 in die „Starfighter“ eingebaute Sitze, wie der von Comet oder der Martin Baker Mark 7, waren zuverlässiger. Erst ab einer bestimmten Höhe über dem Flugzeug trennten sie den Piloten vom Sitz. Der Sitz besaß die komplette Notausstattung, inklusive eines Schlauchbootes und einer Sauerstoffversorgung für den Piloten. Beinrückholgurte, die vor dem Flug anzulegen waren, zogen beim Ausschuss den Piloten an den Sitz. Die Überlebenschance war bei diesen Schleudersitzen deutlich höher.

Nachdem Generalleutnant Johannes Steinhoff im September 1966 auf dem Höhepunkt der medial und öffentlich diskutierten „Starfighter“-Krise zum Inspekteur der Luftwaffe ernannt worden war, forcierte er den Austausch aller Lockheed-Schleudersitze in den „Starfightern“ der Bundeswehr. Andere Flugzeugtypen erhielten danach ebenfalls Sitze der Firma Martin Baker, die zum Marktführer für Schleudersitze westlicher Luftwaffen aufstieg. Auch heute haben die „Tornados“ mit dem Mark 10A und die „Eurofighter“ mit dem Mark 16 Schleudersitze von Martin Baker. Übrigens: Wer sich mit einem Martin-Baker-Schleudersitz erfolgreich ausgeschossen hat, wird auf Antrag Mitglied im „Martin-Baker Tie Club“, inklusive Urkunde, Pin und Krawatte. Eine besondere Armbanduhr kann dort zum Vorzugspreis erworben werden.

von Heiner Möllers

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