Ein Krieg vieler Kriege. Der Amerikanische Revolutionskrieg, 1775–1783
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Der Amerikanische Revolutionskrieg erscheint häufig primär als Krieg, in dem die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erlangten. Unbestritten war dies ein entscheidender Aspekt des Krieges. Zugleich waren viele weitere Kriegsschauplätze und Akteure Teil dieses Konflikts.
Überraschungsangriff: Die Überquerung des Flusses Delaware in der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember 1776 ermöglichte General George Washington und seinen Truppen einen überraschender Sieg gegen die Briten, Ölgemälde von Emanuel Leutze, 1851.
https://de.wikipedia.org/wiki/Washington_Crossing_the_Delaware / public domainDer Krieg der Amerikanischen Revolution war ein Krieg vieler Kriege mit jeweils eigenem Charakter und unterschiedlicher Dauer. Er war erstens ein internationaler Krieg zwischen zunächst zwei, am Ende vier Mächten, der mit regulären Armeen sowie europäischer Strategie und Taktik geführt wurde. In diesem Krieg, der mit den Gefechten von Lexington und Concord am 19. April 1775 begann, kämpften die USA und das seit 1778 mit ihnen verbündete Frankreich, später auch Spanien, gegen Großbritannien. Dieser Krieg endete militärisch am 19. Oktober 1781 mit der britischen Kapitulation bei Yorktown und völkerrechtlich 1783 mit dem Frieden von Paris. Zweitens war der Amerikanische Revolutionskrieg ein Bürgerkrieg zwischen den Befürwortern der Unabhängigkeit, die sich selbst »Patrioten« nannten, und den treu zur britischen Krone stehenden Loyalisten. Dieser Krieg war ein brutales Hin und Her, das auf lokaler Ebene in der Regel dann endete, wenn die Patrioten endgültig die Oberhand gewonnen hatten.
Den dritten Krieg führten Indianer und Siedler an der sogenannten Frontier, wie man die sich stetig nach Westen verschiebende Grenze des US-Siedlungsgebietes bezeichnete. Dieser Krieg entfaltete sich als eine fortlaufende Serie von gegenseitigen Überfällen auf die Siedlungen von Weißen und Indianern, die mit rücksichtsloser Brutalität durchgeführt wurden und über den Frieden von Paris (1783) hinaus fortdauerten. Es war ein Kampf um Land, der weitgehend unabhängig von den beiden anderen Kriegen der Amerikanischen Revolution stattfand und doch mit ihnen in Zusammenhang stand, insbesondere weil die meisten Indianerstämme die Briten unterstützten. Sie sahen ihre Interessen am ehesten durch die britische Krone gewahrt und erwarteten von den USA nichts anderes als die Fortsetzung des aggressiven Ausgreifens ihrer landhungrigen Siedlergesellschaft nach Westen. Der erstgenannte, internationale Krieg steht im Fokus der weiteren Darstellung.
Der internationale Krieg der Amerikanischen Revolution lässt sich in zwei große Phasen einteilen: Vom Frühjahr 1775 bis zum Herbst 1777 wurde er schwerpunktmäßig im Nordosten geführt. In dieser Phase setzte Großbritannien alles daran, New York unter seine Kontrolle zu bringen, um einen Keil zwischen die revolutionären Zentren in Massachusetts und Pennsylvania zu treiben. Dies gelang indes nicht. Diese Phase endete am 17. Oktober 1777 mit dem amerikanischen Sieg in der Schlacht von Saratoga. Danach trugen die Briten den Krieg in den Süden, wo besonders viele Loyalisten lebten. Hier bestand das Kriegsgeschehen, das viel mehr noch als im Norde den Charakter eines brutalen Guerilla- und Bürgerkrieges trug, aus einer Reihe von militärischen Zusammenstößen, bei denen keine Seite einen entscheidenden Sieg erringen konnte. Diese Phase des Krieges endete 1781 mit der britischen Kapitulation nach der Belagerung von Yorktown.
Wo alles begann: An der Old North Bridge in Concord kämpften am 19. April 1775 erstmals britische und amerikanische Truppen gegeneinander.
https://en.wikipedia.org/wiki/Old_North_Bridge / public domainBis 1774 war der seit 1763 schwelende Konflikt zwischen Mutterland und Kolonien bereits soweit eskaliert, dass eine militärische Auseinandersetzung wahrscheinlich wurde. Insbesondere Massachusetts mit seiner Hauptstadt Boston avancierte zum Zentrum des Widerstandes, und die dortigen Patrioten begannen damit, im Hinterland geheime Waffenlager anzulegen. Dies blieb den Briten nicht verborgen, weshalb General Thomas Gage in der Nacht vom 18. auf den 19. April 1775 mit rund 700 Soldaten über Lexington nach Concord zog, um mit John Hancock und Samuel Adams zwei führende Aufständische festzunehmen und das in Concord vermutete Waffenlager auszuheben. In Concord stießen die Briten auf ein großes Kontingent amerikanischer Milizen, deren entschlossene Gegenwehr Gage zu einem verlustreichen Rückzug zwang. Damit hatte der Amerikanische Revolutionskrieg begonnen, noch bevor sich die Kolonien für unabhängig erklärt hatten.
Im ersten Kriegsjahr konzentrierte sich das Geschehen auf Boston und auf Kanada. Boston wurde zu dieser Zeit von der Kontinentalarmee belagert, die seit dem 15. Juni 1775 unter dem Oberbefehl von George Washington stand. Am 27. Juni 1775 beschloss der Kontinentalkongress, die oberste zivile Gewalt im revolutionären Amerika, die Invasion Kanadas. Dadurch sollte einerseits die nördliche Flanke gesichert werden, andererseits wollten die Patrioten die Briten daran hindern, die Indianer im Gebiet um die Großen Seen für sich zu mobilisieren.
Ein Krieg vieler Kriege: Der Unabhängigkeitskrieg wurde an vielen Orten der US-amerikanischen Ostküste ausgetragen; die weiteren Schauplätze des Amerikanischen Revolutionskrieges reichten noch darüber hinaus.
Bundeswehr/NogliDarüber hinaus hofften die amerikanischen Revolutionäre, dass die Kanadier sich ihrem Aufstand anschließen würden. Die Invasion Kanadas wurde am 31. Dezember 1775 in Quebec zurückgeschlagen und entwickelte sich bis zum Frühjahr 1776 zu einem Desaster für die Patrioten, was diese jedoch nicht davon abhielt, sich am 4. Juli 1776 für unabhängig zu erklären. Nun holte Großbritannien zum Gegenschlag aus: Unter dem Kommando von General William Howe landeten im Juli/August 1776 32 000 Soldaten auf 400 Schiffen in Staten Island, New York City an. Darunter waren auch 8000 deutsche Söldner. Die britische Krone hatte die eigenen Streitkräfte mit rund 30.000 deutschen Hilfstruppen aufgestockt, die von ihren Landesherren in Braunschweig, Hessen-Kassel, Hessen-Hanau, Waldeck, Ansbach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst verkauft worden waren. Die unter britischer Flagge kämpfenden Truppen trieben die etwa 10.000 schlecht ausgebildeten und noch schlechter ausgerüsteten Soldaten der Kontinentalarmee bis Ende des Jahres vor sich her, ohne sie jedoch vernichtend schlagen zu können. Washington verlegte seine Streitmacht nach Pennsylvania, kehrte aber zu Weihnachten 1776 mit seiner legendären Überquerung des Delaware-Flusses nach New Jersey zurück und landete mit seinem Angriff auf das britische Lager in Trenton und seinem Sieg bei Princeton (3. Januar 1777) gleich zwei Überraschungserfolge. Im Sommer 1777 unternahmen die Briten einen weiteren Versuch, Neuengland zu isolieren und die amerikanischen Staaten in zwei Hälften zu teilen. Vorgesehen war ein integrierter Angriff, bei dem eine starke britische Armee und ihre indianischen Verbündeten unter dem Kommando von General John Burgoyne von Quebec aus auf dem Landweg nach New York einfallen, während britische Marineeinheiten unter dem Kommando von Admiral Richard Howe den Hudson-Fluss hoch segeln und sich bei Albany mit den Truppen Burgoynes vereinigen sollten. Allerdings hatten der Admiral und sein Bruder, General William Howe, andere Vorstellungen vom weiteren Vorgehen und verlegten sich mit Billigung des für die Kriegführung zuständigen britischen Ministers Lord George Germain darauf, Philadelphia, die Hauptstadt der Revolution, zu erobern.
Damit war der von Burgoyne entworfene Angriffsplan durchkreuzt, bevor er überhaupt begonnen hatte. Zwar fiel Burgoyne im Juni 1777 mit rund 6700 britischen und hessischen Soldaten, 700 kanadischen Milizionären und 500 Kriegern der Irokesen in New York ein, doch geriet sein Vormarsch schnell ins Stocken.
Verlustreicher Marsch: General John Burgoyne zog mit seinen Truppen nach Süden. Ziel der Unternehmung war, Neuengland zu isolieren.
Bundeswehr/NogliIm Oktober wurde er von General Horatio Gates und einer Streitmacht von 7000 Mann in der Nähe von Saratoga gestellt. Bei Freeman’s Farm (19. September) und auf den Bemis Heights (7. Oktober) kam es zu zwei für die Briten verlustreichen Schlachten. Bei Freeman’s Farm konzentrierten die Amerikaner ihre Angriffe auf die linke Marschkolonne der Briten, fügten ihnen dabei nicht ersetzbare Verluste zu und stoppten ihren Vormarsch. Bei Bemis Heights schlugen sie die erste Angriffswelle vernichtend zurück und nahmen den britischen Einheiten die Führung, indem sie deren Kommandeur, Brigadegeneral Simon Fraser, gezielt durch einen Scharfschützen töten ließen. Am 17. Oktober 1777 kapitulierte Burgoyne. Saratoga war die kriegsentscheidende Wende, weil die Briten danach im Norden militärisch die Initiative verloren und weil Frankreich mit dem am 6. Februar 1778 unterzeichneten Freundschafts-, Handels- und Allianzvertrag nun auch offiziell an der Seite der USA in den Krieg eintrat. Die militärischen Kräfteverhältnisse in Nordamerika änderten sich grundlegend.
Nach Saratoga trugen die Briten den Krieg in den Süden, wo insbesondere in Georgia und South Carolina viele Loyalisten lebten. Auch gab es dort mit den Cherokee, Chickasaw und Choctaw mächtige Indianerstämme, die mit den Briten verbündet waren. Außerdem waren Wirtschaft und Gesellschaft im Süden ungleich stärker auf Sklaverei aufgebaut als in anderen Staaten der USA, sodass Sklavenbefreiung zu einem Mittel britischer Kriegführung wurde. Bis zum Herbst 1779 brachten die Briten so weite Teile Georgias unter ihre Kontrolle und stießen im folgenden Jahr nach South Carolina vor, wo sie zwar am 12. Mai 1780 die Hauptstadt Charleston eroberten, aber zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle über das Hinterland erlangten. Dort tobte der Bürgerkrieg zwischen Patrioten und Loyalisten weiter.
Wendepunkt: Die Kapitulation des britischen Generals John Burgoyne nach der zweiten Schlacht von Saragota markierte den entscheidenden amerikanischen Sieg.
https://en.wikipedia.org/wiki/Surrender_of_General_Burgoyne / public domainEnde 1780 zog eine britische Armee von knapp über 2000 Mann unter dem Kommando von General Charles Cornwallis nach North Carolina, wo es am 15. März 1781 in Guilford Court House zur größten Schlacht auf dem südlichen Kriegsschauplatz kam. Das blutige Gemetzel endete nach zwei Stunden mit dem Rückzug der von General Nathaniel Greene kommandierten amerikanischen Einheiten unentschieden. Allerdings verloren die Briten in dieser Schlacht mit rund 500 Mann nicht nur doppelt so viele Soldaten wie die Patrioten, sondern auch ein Viertel ihrer eigenen Streitmacht. Deshalb verzichtete Cornwallis darauf, Greenes Einheiten zu verfolgen, und marschierte am 25. April 1781 nach Virginia.
Hier zog Cornwallis plündernd und brandschatzend durchs Land und suchte die Entscheidung in einer offenen Feldschlacht, zu der sich die Kontinentalarmee aber nicht stellte. Bis zum Sommer 1781 ereignete sich eine Reihe von militärischen Zusammenstößen, bei denen die Amerikaner den Briten so viele Verluste zufügen konnten, dass Cornwallis seinen Einmarsch nach Virginia für gescheitert erklären und sich nach South Carolina zurückziehen wollte. Sein ihm in inniger Konkurrenz zugetaner Oberkommandierender, General Henry Clinton, befahl ihm jedoch, ein Feldlager in Yorktown zu errichten.
Zentraler Gegner: General Charles Cornwallis führte die britische Armee im März 1781 in die größte Schlacht auf dem südlichen Kriegsschauplatz in Guilford Court House. Sei dortiger Sieg änderte nichts an der sich abzeichnenden britischen Niederlage.
https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Cornwallis,_1st_Marquess_Cornwallis/public domainAm 30. August 1781 ging eine französische Flotte aus 37 Kriegsschiffen und mit rund 3000 Mann unter dem Kommando von Comte de Grasse vor Yorktown vor Anker und riegelte den Zugang zur Chesapeake-Bucht ab. Der britische Versuch, diesen französischen Sperrriegel mit einer von New York kommenden Flotte am 5. September zu sprengen, scheiterte krachend. Zwischenzeitlich hatte der mit dem Gros seiner Truppen in New York gebundene Washington erfahren, dass eine französische Flotte auf dem Weg nach Virginia war. Zusammen mit General Comte de Rochambeau verlegte er daraufhin die französisch-amerikanische Hauptstreitmacht in einem dreißigtägigen Gewaltmarsch nach Süden und erreichte Ende September 1781 Yorktown. Dort vereinigte sich Washington mit den aus Pennsylvania und dem Norden Virginias anrückenden, von Marquis de Lafayette und General Anthony Wayne kommandierten Einheiten und schloss am 28. September den Belagerungsring um den Ort. Am 19. Oktober kapitulierte Cornwallis mit seinen inzwischen wieder mehr als 7000 Soldaten und ging in amerikanische Gefangenschaft. Damit war der internationale Krieg der Amerikanischen Revolution militärisch zugunsten der USA entschieden. Der Bürgerkrieg und der Krieg an der Frontier tobten indes weiter. Der Bürgerkrieg endete mit dem Exodus von zwischen 60.000 und 120.000 Loyalisten in andere Teile des britischen Weltreiches irgendwann in den 1780er-Jahren. Der Krieg an der Frontier zog sich bis ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts hin. Mit dem Frieden von Paris 1783 erkannte Großbritannien die Unabhängigkeit der USA an und trat alle Gebiete westlich der Appalachen und östlich des Mississippi an die USA ab. Die Landkarte Nordamerikas hatte sich grundlegend geändert.
Dieser Beitrag stammt aus Ausgabe 2/2026 der Zeitschrift „Militärgeschichte“.
Volker Depkat, Die Amerikanische Revolution, München 2026.
Volker Depkat, Amerika verstehen, Podcast in der DLF-Audiothek, 2026.
Michael Hochgeschwender, Die Amerikanische Revolution. Geburt einer Nation, 1763‑1815. 5. Aufl., München 2018.