Natur – Tiere – Krieg
Tagung- Ort:
- Dortmund
- Lesedauer:
- 6 MIN
Krieg, Natur und Tiere – sie stehen in einem engen Wechselverhältnis zueinander, das oft selbstverständlich erscheint. Dieser Selbstverständlichkeit möchten wir in einer Tagung nachgehen.
Diensthund der Bundeswehr bei einer Übung
Bundeswehr/Mario BährVom 16. bis zum 18. September 2026 findet an der TUTechnische Universität Dortmund die internationale Konferenz “Natur – Tiere – Krieg. Beziehungen und Wechselwirkungen von der Antike bis zur Gegenwart” statt. Sie verfolgt das Ziel, die bislang häufig getrennten Ansätze der Umwelt-, Tier- und Militärgeschichte zusammenzuführen und eine Plattform für innovative Forschungsansätze zu bieten, die sowohl die Auswirkungen militärischer Gewalt auf Natur und Tierwelt als auch Tiere und Natur im Kontext von Militär, Krieg und Gewalt in den Blick nimmt.
Kriegerische Auseinandersetzungen und das Militär sind seit jeher mit der Natur und der Tierwelt verbunden. Sowohl durch die Vorhaltung militärischen Gewaltpotentials im Frieden als auch durch Kriege wirkt das Militär, etwa durch die Produktion von Waffen, deren Einsatz und die Zerstörung von Lebensräumen, nicht nur unmittelbar auf die natürliche Umwelt, sondern wird umgekehrt auch von dieser beeinflusst – beispielsweise durch das Wetter oder die Beschaffenheit des Terrains. Umweltzerstörung kann daher als eine der Konstanten des Krieges beschrieben werden (Jensen 2005). Diese Zerstörung durch militärisches Handeln kann einerseits unbeabsichtigt oder bisweilen bewusst in Kauf genommen werden, andererseits kann sie aktiv betrieben werden – sei es, weil Umwelt als Waffe eingesetzt wird (environmental warfare) oder weil sie aktiv als ‚Feind‘ bekämpft wird.
Neben den Kurzzeitfolgen militärischer Umweltzerstörung rücken zunehmend auch die Langzeitfolgen militärischen Handelns in den Fokus. Environmental warfare, der Abbau von Rohstoffen für die Waffenproduktion, militärische Treibhausgasemissionen oder hochtoxische Rückstände von Munition können auch Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später gravierende Auswirkungen auf Ökosysteme haben. Im Zeitalter der Klima- und Biodiversitätskrise sowie der Umweltzerstörung in Konflikten wie in der Ukraine und Gaza ist es daher umso wichtiger, dass sich die Militärgeschichte mit neuen Ideen aus der Umwelt- und Klimaforschung auseinandersetzt und interdisziplinäre Ansätze zur Forschung beiträgt.
Ausgehend von der Annahme, dass Geschichte nicht ausschließlich von Menschen gemacht wird, sondern sich in ko-konstitutiven Beziehungen zwischen Spezies entfaltet, möchte die Tagung eine multispeziesgeschichtliche Perspektive stark machen. Dabei wird gefragt, wie Tiere und Natur nicht nur als Objekte, sondern als Akteure historischer Prozesse – als Beteiligte, als Resonanzkörper, als Widerständige – in Erscheinung treten. Die Perspektive versteht Tiere (und Natur) nicht nur als passive Ressourcen, sondern als Wesen mit Handlungsspielräumen, Affekten, Körpern und Geschichten – eingebunden in asymmetrische, aber reale Beziehungen zu menschlichen Akteur:innen.
Eine solche Infragestellung anthropozentrischer und binärer Deutungsmuster – zwischen Zivilisation und Natur, Mensch und Tier, Subjekt und Objekt – erlaubt es, militärgeschichtliche Narrative neu zu konturieren: Sie zeigt die wechselseitige Verwundbarkeit aller Körper im Krieg, die Abhängigkeit militärischer Logistik von tierlich-natürlichen Ressourcen, aber auch die kulturelle Aufladung tierlicher Körper in militärischen Ideologien.
Reste eines Panzers in der Natur auf einem Übungsplatz
Bundeswehr/Tom TwardyDiese Tagung versteht sich damit als Einladung an Wissenschaftler:innen aus allen Epochen, Regionen und Disziplinen, das Verhältnis von Natur, Tier und Krieg empirisch wie konzeptionell neu zu denken – entlang der Schnittstellen von Umweltgeschichte, Human-Animal Studies (Tiergeschichte) und Militärgeschichte. Statt Tier und Natur lediglich als Objekte militärischer Gewalt oder als Hintergrundbedingungen zu betrachten, geht es darum, ihre historischen Rollen und Handlungsräume im Kontext von Krieg und Gewalt systematisch zu erforschen. Dabei rücken folgende Perspektiven in den Mittelpunkt:
Ziel der Tagung ist es, die historischen Dynamiken zwischen Natur, Tier und Militär nicht additiv, sondern relational zu denken. Dies erfolgt durch die Verschränkung dreier etablierter Forschungsfelder:
Die Konferenz versteht sich als Ort, an dem diese drei Felder in einen gegenseitig kommentierenden Dialog treten – nicht um Disziplinen zu addieren, sondern um die komplexen historischen Verflechtungen von Gewalt, Umwelt und interspezifischer Koexistenz sichtbar zu machen. Dies umfasst nicht nur methodische Fragen, sondern auch begriffliche Klärungen (Was bedeutet „Agency“ in interspezifischen Kontexten? Was ist ein „militärischer Raum“ aus tierlicher Perspektive?) sowie epistemologische Herausforderungen (Wie erfassen wir nicht-menschliche Erfahrungsdimensionen historisch?). Die Tagung will so zu einer Multiperspektivierung militärgeschichtlicher Forschung beitragen, die die kategorialen Trennungen zwischen Mensch, Tier und Natur infrage stellt und die asymmetrischen, aber gleichwohl wirksamen Relationen zwischen ihnen in den Blick nimmt.
Alte Munition auf Waldboden
Bundeswehr/Tom TwardyDer Call richtet sich an Forschende aller Stufen, die sich mit dem Verhältnis von Tieren, Natur, Militär und Krieg sowie angrenzenden Themengebieten beschäftigen. Auch Wissenschaftler:innen außerhalb der Geschichtswissenschaft sind herzlich eingeladen, sich zu bewerben. Die Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch. Eine digitale Teilnahme ist möglich. Die Beitragsvorschläge können sich an folgenden Themenkomplexen orientieren:
Wir laden Interessierte ein, ein Kurzexposé auf Deutsch oder Englisch (ca. 500 bis 750 Wörter) für eine Projektvorstellung von 20 Minuten sowie einen kurzen Lebenslauf einschließlich der wichtigsten Veröffentlichungen (max. 2 Seiten) einzureichen. Auch Panelvorschläge sind möglich. Vorgesehen ist die Ausgestaltung der Panels mit Kommentaren, für die Expert:innen aus den einzelnen Bereichen eingeladen werden.
Die Tagung ist bilingual (deutsch/englisch) und international. Die Referent:innen werden im Vorfeld aufgefordert, Thesenpapiere auf Englisch (auch für deutschsprachige Vorträge) einzureichen. Wir planen, diese vorab sowohl an die Kommentator:innen als auch an die Mit-Referent:innen zu verteilen. Wir bitten darum, dies bereits bei der Bewerbung zu bedenken.
Bitte richten Sie Ihre Bewerbung bis zum 31. Januar 2026 an:
naw-conference2026.us.fk17@tu-dortmund.de
Unter Vorbehalt der Finanzierung können bei Bedarf Reise- und Übernachtungskosten (Flug Economy-Class oder Bahnfahrt 2. Klasse) für Vortragende übernommen werden.
naw-conference2026.us.fk17@tu-dortmund.de
Arbeitskreis Militärgeschichte e.V.eingetragener Verein (AKM); Technische Universität Dortmund; Universität Kassel; Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr)
Die Konferenz findet an der TUTechnische Universität-Dortmund statt. Genauere Angaben werden mit dem Programm bekannt gegeben.
von Organisationsteam der Tagung E-Mail schreiben