Ein Souvenir von der Côte d’Azur von 1943
- Datum:
- Ort:
- Flensburg
- Lesedauer:
- 2 MIN
Unter den zahlreichen historischen Objekten in der Lehrsammlung der Marineschule Mürwik befindet sich ein unscheinbares Stück Holz – ein Andenken an einen Vorgang im Mittelmeerraum während des Zweiten Weltkriegs, der ein Licht wirft auf die damaligen politischen und militärischen Wirren.
In der Artikelreihe „Ausgestellt“ stellen wir besondere und oft einzigartige Objekte aus den Sammlungen und Ausstellungen der Bundeswehr mit ihren Geschichten vor
Bundeswehr/Andrea NimpschUnter welchen Umständen das Objekt entstand und wie es nach Flensburg in die Lehrsammlung kam, ist nicht überliefert. Sein Äußeres weist aber hin auf eine ebenso spannende wie komplexe Geschichte. So ist auf dem Holz handschriftlich notiert: „vom französ[ischen] Schlachtschiff ‚Dunkerque‘. Toulon März 1943“. Ein etwas eigenartig anmutendes Souvenir aus dem sonnigen Süden. Was hat es damit auf sich?
Die „Dunkerque“ war ein 1938 in Dienst gestelltes schnelles Schlachtschiff der französischen Marine. In den ersten Monaten des Zweiten Weltkriegs war sie in den Gewässern Frankreichs und der britischen Inseln sowie im Nordatlantik im Einsatz. Anfang 1940 wurde sie ins Mittelmeer verlegt und beteiligte sich dort später an den Kämpfen gegen Italien, das am 10. Juni 1940 Frankreich und Großbritannien den Krieg erklärt hatte. Am 22. Juni trat dann der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland in Kraft. Dieser beließ dem unterlegenen Frankreich seine Flotte, die unter anderem im algerischen Mers el-Kébir vor Anker lag, darunter auch die „Dunkerque“. Um eine Übergabe der französischen Flotte an Deutschland zu verhindern, versuchte die Royal Navy, die Schiffe unter ihre Kontrolle zu bringen. In diesem Sinne lautete das Ultimatum der Briten an den französischen Admiral in Mers el-Kébir von Anfang Juli 1940: Übergabe der Schiffe an Großbritannien (oder die USA) oder sie werden versenkt. Da die französische Seite eine Übergabe verweigerte, kam es zu einem Gefecht, bei dem auch die „Dunkerque“ beschädigt wurde - hierbei starben 210 Besatzungsmitglieder. Die Schiffe blieben in französischer Hand.
Ein unscheinbares Stück Holz - ein Holzsplitter als Souvenir
Bundeswehr/Wehrgeschichtliches AusbildungszentrumNach ersten Reparaturen verlegte das Schiff Anfang 1942 in das südfranzösische Toulon, um hier abschließend instand gesetzt zu werden. Als Ende 1942 die Übernahme des Schiffs durch die Deutschen drohte, die nun auch den Süden Frankreichs besetzten, versenkten die Franzosen die “Dunkerque“ im Hafen. Das Wrack überließen die Deutschen den verbündeten Italienern zur Nutzung. Diese hoben das Wrack zunächst, doch wurde es bei einem alliierten Luftangriff erneut beschädigt. In der Folge wurde das Wrack ausgeschlachtet: hierbei kam vermutlich der Holzsplitter als Souvenir in die Hände eines Deutschen. Nach dem Krieg wurden die Reste des Wracks von der französischen Marine in die Verschrottung gegeben.
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von Christopher OestereichIn der Artikelreihe „Ausgestellt“ stellen wir besondere und oft einzigartige Objekte aus den Sammlungen und Ausstellungen der Bundeswehr mit ihren Geschichten vor.