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Ausgestellt

Der Zaren-Adler mit napoleonischen Federn

Ein prächtiger Adler, zum Ruhme der Armee des russländischen Kaisers nach ihrem Sieg über Napoleon 1812 gefertigt, dann gut hundert Jahre später von der deutschen Armee bei der Eroberung der Ostseeinsel Ösel (estnisch Saaremaa) erbeutet – eine Objektgeschichte, die sich noch in Bundeswehrzeiten an der Marineschule Mürwik fortsetzt.

Teaserbild der Reihe Ausgestellt mit dem Zaren-Adler

Das ZMSBw präsentiert hier besondere Objekte aus einer der mehr als 100 Sammlungen

Bundeswehr/Andrea Nimpsch

Gefiedert mit Beutestücken aus dem Russlandfeldzug 1812

Die Grande Armée, die Große Armee mit hunderttausenden Soldaten aus allen Herren Ländern, mit der Napoleon 1812 in Russland einmarschierte, ging gänzlich unter bei ihrem Rückmarsch durch das tiefverschneite Land. Dem Sieger, der Armee des russländischen Kaisers, fielen Beutestücke in die Hände, darunter unzählige Waffen. Mit Metallteilen französischer Musketen – Abzüge, Schlagfedern und Schrauben – wurde ein hölzerner Adler gefiedert, der als Bau- oder Raumschmuck dienen sollte. Auf seiner Brust trägt er das Abbild des Heiligen Georg wie er den Drachen besiegt – ein in der orthodoxen Kirche bedeutsames Motiv. Bis 1917 hing der Adler in einem Gebäude der Küstenbatterie Zerell (estnisch Sääre) auf der damals zum Russländischen Kaiserreich gehörenden Ostseeinsel Ösel.

schwarzer Holzadler mit zwei Köpfen in der ganzen Spannbreite

Der hölzerne Adler mit 280 cm Spannbreite und einem Gewicht von etwa 80 kg

Bundeswehr/Timm Bourry

Erbeutet 1917

Die Küstenbatterie Zerell lag auf der Halbinsel Sworbe (estnisch Sõrve) an der Südspitze Ösels und beherrschte den Seeweg zwischen der Insel und der baltischen Festlandküste und damit die Einfahrt in den Rigaischen Meerbusen. Als deutsche Truppen während des Ersten Weltkriegs im Herbst 1917 Ösel erobern sollten, war Zerell deshalb ein wichtiges Ziel. Angelandet wurden die Truppen ganz im Norden der Insel. Schnell stießen sie nach Süden vor. Vor der Halbinsel Sworbe kamen sie zum Stehen. In den heftigen Kämpfen, in die auch die deutsche Marine eingriff, wurden Gebäude der Batterie beschädigt – zudem sprengten die russländischen Truppen laut der publizierten Darstellung des beteiligten deutschen Infanterieregiments wichtige Anlagen der Batterie, bevor sie sich dem Feind ergaben. Unter den Beutestücken, die die Deutschen machten, fand sich wohl der prächtige Holzadler.

Kopf mit gelben Augen und geschwungenem Schnabel des Adlers

Abzüge, Schlagfedern, Schrauben – das im Laufe der Zeit stark gerupfte „Gefieder“ besteht aus Metallteilen von Waffen der Zeit um 1800

Bundeswehr/Timm Bourry

Gerupft von Offiziersschülern der Marine

Irgendwann – wann genau, ist nicht bekannt – gelangte der Adler in die Marineschule Mürwik. Offizieranwärter waren es, so wird erzählt, die über die Jahre hinweg den Adler rupften, indem sie einzelne der historischen Bestandteile der ehemaligen Musketen abbrachen und mitnahmen – als Erinnerung an ihre Zeit an der Offizierschule? Irgendwann wurde der Adler in den Bestand der Lehrsammlung der Marineschule Mürwik gegeben. Als Kulturgut genießt er jetzt besonderen Schutz und kann so über zweihundert Jahre europäische Geschichte erzählen.

Foto und Text zum Herunterladen

von Christopher Oestereich

Ausgestellt

In der Artikelreihe "Ausgestellt“ stellen wir besondere und oft einzigartige Objekte aus den Sammlungen und Ausstellungen der Bundeswehr mit ihren Geschichten vor.

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