Der „Opa“ in der Lehrsammlung der Marinetechnikschule in Parow bei Stralsund ist nicht der dienstälteste Soldat, sondern eine technische Rarität und außergewöhnliche Ausbildungsanlage. Es handelt sich um den ältesten und weltweit einzigen noch funktionsfähigen Einblasediesel der Firma MAN aus dem Jahre 1912.
Das ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr präsentiert hier besondere Objekte aus einer der mehr als 100 Sammlungen.
Bundeswehr/Andrea Nimpsch
Geschichte einer heute einzigartigen Maschine
Weltweit existieren nur noch zwei Maschinen dieser Art. Ein baugleiches Exemplar steht in den USAUnited States of America, ist aber nicht mehr funktionsfähig. Der heute an der Marinetechnikschule (MTS) ausgestellte Motor wurde ursprünglich als Ausbildungsanlage in der durch eine Kabinettsorder von Kaiser Wilhelm II. in Kiel neugebauten Ingenieur- und Deckoffizierschule am 1. Oktober 1913 in Dienst gestellt. Diese Schule wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesmarine als Technische Marineschule (TMS) weitergeführt und wurde zur Ausbildungsstätte aller Schiffstechniker und Marinesoldaten aller Laufbahn- und Dienstgradgruppen – über vier Generationen und fünf Marinen hinweg. Der Dieselmotor diente in diesen Jahrzehnten tausenden Schiffstechnikern als Ausbildungsanlage und in den Anfangsjahren der Schule diente er sogar als Stromerzeugeraggregat für das gegenüberliegende Kinderhospiz in der Kieler Wik. Kein Wunder also, dass er irgendwann in der Marine den liebevollen Spitznamen „Opa“ erhielt.
Opa, ältester Einblasedieselmotor von MAN, Baujahr 1912
Bundeswehr
Die Rettung des „Opa“ für die Marinetechnikschule in Parow
Vielen bleibt nicht nur die tägliche Nutzung in der Ausbildung in Erinnerung, sondern auch die Rettungsaktion des “Opas“. Als in den 1990er-Jahren der Beschluss gefasst wurde, die TMS von Kiel nach Parow umzuziehen, wurde diskutiert, welche Anlagen für die Ausbildung noch benötigt werden. Da Dieselmotoren wie der „Opa“ auf keiner modernen Einheit der Marine mehr Verwendung finden, stand sein Fortbestand zunächst auf der Kippe. Nur durch die Kreativität und den engagierten Einsatz des damaligen Kommandeurs der TMS, Kapitän zur See Volkhart Meyer, konnte der „Opa“ für die Ausbildung und die Nachwelt erhalten bleiben. Heute wird der MAN-Einblasediesel – 112 Jahre nach seinem Dienstbeginn – an der MTS von fachkundigem Personal gehegt und gepflegt und kommt bei besonderen Anlässen immer noch zum Einsatz.
In der Artikelreihe "Ausgestellt“ stellen wir besondere und oft einzigartige Objekte aus den Sammlungen und Ausstellungen der Bundeswehr mit ihren Geschichten vor.