McDonnell Douglas F-4F Phantom II
- Datum:
- Ort:
- Neuburg an der Donau
- Lesedauer:
- 2 MIN
„Luftverteidigungsdiesel“, „Eisenschwein“ und „Flying Brick“: Die Phantom bekam über die Jahrzehnte ihrer Nutzung in den verschiedenen Luftstreitkräften Spitznamen zugewiesen, die vor allem auf ihr Aussehen und ihre Flugeigenschaften Bezug nahmen.
Das ZMSBw präsentiert hier besondere Objekte aus einer der mehr als 100 Sammlungen
Bundeswehr/Andrea NimpschDie in den USA hergestellte F-4 „Phantom II“ ist mit über 5.000 gebauten Exemplaren und unzähligen Einsätzen eines der bekanntesten Kampfflugzeuge der Welt. In der Bundeswehr war sie ursprünglich als Übergangslösung zwischen dem F-104G „Starfighter“ und einem Nachfolger mit dem Projekttitel „Jäger 90“ gedacht. Dass sich die Entwicklung und Auslieferung dieses Jägers 90 - heute „Eurofighter“ – so lange verzögern würde, war damals nicht eingeplant. 40 Jahre lang, von 1973 bis 2013, war die Phantom mit ihrem markanten Aussehen und ihrer auffälligen Rauchfahne über Deutschland zu sehen, davon 34 Jahre auch über Neuburg an der Donau. Heute ist das Taktische Luftwaffengeschwader 74 stolz, eine vollständige F-4F Phantom II in ihrer Ausstellung zu zeigen, die zugleich noch eine beeindruckende Objektgeschichte erzählen kann.
Die 38+10 mit beiden geöffneten Cockpithauben als Teil der Militärgeschichtlichen Sammlung in Neuburg an der Donau, die sich in einem Hangar präsentiert
Bundeswehr/Germaine-Noelle NassalDie heute in der Militärgeschichtlichen Sammlung des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 ausgestellte Maschine mit der Kennung 38+10 wurde am 10. März 1975 im friesischen Jever in Dienst gestellt. Nach Einsatzzeiten in den Jagd- und Jagdbombergeschwadern in Rheine-Hopsten, Pferdsfeld und Wittmund kam sie am 7. August 1997 für 10 Jahre in das damalige Jagdgeschwader 74 „Mölders“ an die Donau. In dieser Zeit war sie nicht nur in halb Europa, sondern auch auf dem amerikanischen Kontinent unterwegs. Mit Einführung des „Eurofighters“ in Neuburg wurde sie 2007 nach Wittmund an das Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ abgegeben, den einzigen Verband, der noch bis zum 30. Juni 2013 die F-4F flog. Nach einer 21-monatigen Depot-Instandsetzung, der mit Abstand längsten einer F-4F, nahm sie 2009 in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) an einer Hochwertübung teil. Bei der direkt anschließenden Übung MAPLE FLAG 42 in Cold Lake (Kanada) fing aufgrund einer Überhitzung der Bremsanlage der rechte Hauptfahrwerksreifen Feuer. Die Flammen verursachten an Fahrwerk und Zelle schwere Brandschäden und Löschschaum drang in das offene Cockpit. Nach einer Notreparatur konnte die Maschine schließlich am 15. Juni 2009 über Winnipeg und Detroit bis Bangor an der US-Ostküste zurückverlegt werden, bevor sie drei Tage später in Begleitung einer weiteren Phantom und eines Tankers über den Atlantik nach Wittmund in die Heimat kam.
Für ihren letzten Flug bekam sie 2013 vom Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ in Wittmund ihr ursprüngliches Farbmuster „Norm“ 72 aus ihren ersten Einsatzjahren zurück. Anschließend wurde sie in ihre alte Heimat nach Neuburg zurückgebracht. Seitdem ist sie Teil der Ausstellung der Militärgeschichtlichen Sammlung des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74.
Die 38+10 steht sinnbildlich für die Langlebigkeit und die Robustheit aller Phantom in der Luftwaffe, die über lange Jahre die Alarmrotten stellten und damit verlässlich und erfolgreich für die Sicherung des Luftraumes der NATO in Europa sorgten. Bei allem zeitgenössischen Body Shaming, das sich in den Spitznamen ausdrückt: das Waffensystem war bei Piloten und Crew sehr beliebt und - gemessen an der Unfallrate - eines der sichersten Kampfflugzeuge der Luftwaffe.
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von Ulrich Mocka und Daniel SchillingIn der Artikelreihe „Ausgestellt“ stellen wir besondere und oft einzigartige Objekte aus den Sammlungen und Ausstellungen der Bundeswehr mit ihren Geschichten vor.