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Arktis: Gebietsansprüche und Stützpunkte im Hohen Norden

Arktis: Gebietsansprüche und Stützpunkte im Hohen Norden

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Ein Blick auf die Welt, wie er selten auf Karten dargestellt wird: nicht eurozentrisch, sondern quasi „von oben“ mit dem Nordpol im Zentrum. In Deutschland nimmt man den Hohen Norden meist als eine romantische und abgelegene Region aus wahr. Diese Bild speist sich aus nordischen Krimis, Wikingerserien und Urlaubsbildern aus Spitzbergen mit Eisbären.

Karte auf blauem Hintergrund als Teaserbild

Historische Ereignisse in Kartenansicht

Bundeswehr/Andrea Nimpsch

Eine Karte mit dem Nordpol im Zentrum zeigt jedoch eindrucksvoll, wie geografisch nah sich Russland und der Nordamerikanische Kontinent an dieser Stelle kommen. Seitdem Flugzeuge, Raketen und U-Boote das Nordpolarmeer queren können, hat der Hohe Norden auch enorm an geopolitischer Bedeutung gewonnen. Besonders die zu Dänemark gehörende Insel Grönland nimmt dabei eine Schlüsselposition ein.

Nur Friedenszone, Forschungsgebiet und entmilitarisierter Raum?

Durch alle Geschichtsepochen hinweg wurde der Hohe Norden häufig mit Mythischem assoziiert. Bis weit in die Neuzeit zeigten Karten des Hohen Nordens allerhand phantastische Wesen wie Seeungeheuer, Phantominseln wie Frisland und Groclant, die lediglich in Sagen existierten, sowie Mahlströme, das sind gewaltige Strudel, und Magnetberge. Auch wenn diese Elemente aus den modernen Karten schon lange verschwunden sind, hat der Hohe Norden dennoch seinen (quasi-)mythischen Charakter beibehalten. So galt die Region in der Politik lange als eine Friedenszone, in der die Großmächte, trotz Spannungen in Europa und Asien, konstruktiv in der Forschung kooperieren konnten. Diese Vorstellung des „arktischen Exzeptionalismus“ - die Arktis als Ort der Kooperation, unabhängig von globalen Entwicklungen - die zurückgeht auf eine vielbeachtete Rede von Michail Gorbatschow in Murmansk 1987, gilt spätestens seit Russlands Krieg gegen die Ukraine als obsolet. Sie war jedoch bereits im Kalten Krieg mehr Mythos als Realität. Denn die Arktis, ganz im Gegenteil zur Antarktis, war und ist auch heute kein entmilitarisierter Raum.

Die transatlantische Route und arktische Flugplätze

Obwohl das extreme Wetter und die fehlende Infrastruktur im Hohen Norden Menschen und Material vor große Herausforderungen stellen, unterhalten die arktischen Staaten dennoch militärische Stützpunkte nördlich des Polarkreises. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Zunächst führt die kürzeste Luftlinie zwischen Nordamerika und Europa über den Hohen Norden, im Besonderen über Grönland. Entsprechend waren die Vereinigten Staaten seit dem Aufkommen der Transatlantikflüge in den 1920er Jahren an militärisch nutzbaren Flugfeldern und Wetterstationen auf Grönland interessiert. Die erste US-Militärbasis auf Grönland entstand 1941 mit dem Flugplatz Bluie West-8, heute eher bekannt durch seinen grönländischen Namen Kangerlussuaq. Bis in die 1950er hinein wurde die amerikanische Präsenz weiter ausgebaut, mit mehr als einem Dutzend unterschiedlichen Einrichtungen. Von diesen ist jedoch heute lediglich die Pituffik Space Base, errichtet 1951 als Thule Air Base, noch aktiv. Auch Russland unterhält weiterhin Flugplätze im Hohen Norden. So ist hier der kürzlich reaktivierte Flughafen Nagurskoje auf der Inselgruppe Franz-Josef-Land zu nennen, der groß genug ist, um auch schwere Flugzeuge der russischen Luftwaffe wie Tankflugzeuge, strategische Bomber und Abfangjäger zu versorgen.

Nato-Stützpunkte mit blauen Punkten, die russischen Stützpunkte mit roten Punkten dargestellt

Die Karte mit dem Nordpol im Zentrum zeigt, wie geografisch nah sich Russland und der Nordamerikanische Kontinent an dieser Stelle kommen

Bundeswehr/Frank Schemmerling

Das nördliche Einfalltor

Militärische Stützpunkte zur Luftraumüberwachung nahmen mit Beginn des Kalten Krieges zusätzlich stark an Bedeutung zu. Denn als kürzeste Luftlinie war der Hohe Norden auch ein potenzielles atomares Einfallstor in die Sowjetunion respektive nach Nordamerika für strategische Bomber und ballistische Raketen. Daher wurde während des Kalten Kriegs ein Netz aus Radar-Stationen im Hohen Norden errichtet. Auf der westlichen Seite war dies die Distant Early Warning oder DEW-Line, die sich von Island über Grönland und Kanada nach Alaska gezogen hat. Bis heute wird der Hohe Norden für die Luftraumüberwachung benutzt. So befindet sich beispielsweise in Pituffik ein leistungsstarkes Frühwarnsystem des Typs AN/FPS-132. Spiegelbildlich besitzt die russische Seite in Nagurskoje (Franz-Josef-Land), auf den Neusibirischen Inseln und auf der Wrangelinsel ein Netz aus ähnlichen Radar-Stationen.

Fragile Souveränität und Meeresböden als Ressource

Doch auch die Bedeutung der militärischen Stützpunkte im Hohen Norden als Ausdruck nationaler Souveränität sollte nicht unterschätzt werden. Besonders zu beachten ist, dass die arktischen Landesgrenzen vergleichsweise spät international festgesetzt wurden. Beispielsweise wurde die Zugehörigkeit von Spitzbergen zu Norwegen erst 1920 international geregelt, und vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag stritten Dänemark und Norwegen bis 1933 um Ostgrönland. Entsprechend hat eine militärische Präsenz, wie die dänische Hundeschlittenpatrouille „Sirius“ in Daneborg auf Ostgrönland auch den Zweck, die nationale Souveränität zu sichern. Dies ist nicht nur für das Land selbst relevant, sondern auch für die Rechte am angrenzenden Meeresboden, der nach der Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen unter gewissen nationalen Nutzungsrechten stehen kann. So erhebt beispielsweise Dänemark, basierend auf dem Besitz Grönlands, Anspruch auf signifikante Teile des Meeresbodens unter dem arktischen Ozean. Auch die anderen arktischen Staaten erheben vergleichbare Ansprüche, und dadurch auf die potenziellen Ressourcen, die der Meeresboden in sich birgt. Die Klimaerwärmung eröffnet zugleich immer mehr Möglichkeiten, den Hohen Norden künftig mit Verkehr und Infrastruktur zu erschließen.

Text und Karte zum Herunterladen

von Justus Pochhammer

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Aktuelle Karte - Grafiken und Karten

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