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Die Seeblockade Großbritanniens gegen das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg

Die Seeblockade Großbritanniens gegen das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg

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Seit dem Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran steht die Straße von Hormus im Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Blockade dieses wichtigen Handelsweges hat massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, was etwa an den hohen Energiepreisen spürbar ist.

Karte auf blauem Hintergrund als Teaserbild

Historische Ereignisse in Kartenansicht

Bundeswehr/Andrea Nimpsch

Neu ist die Nutzung der Blockade wichtiger maritimer Handelswege in militärischen Auseinandersetzungen jedoch nicht, wie drei ältere Beispiele verdeutlichen: Großbritannien initiierte nach Wiederaufnahme der Kämpfe mit Frankreich im Jahr 1803 eine Blockade französischer Häfen, auf die Napoleon mit der Kontinentalsperre antwortete (1806–1813), die USA blockierten die Südstaaten-Konföderation im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–65) und der Suezkanal blieb als Folge des Sechstagekrieges von 1967 zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten bis 1975 geschlossen.

Nordseeblockade im Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg blockierte Großbritannien mit Schiffen und Seeminen die Zugänge zur Nordsee im Ärmelkanal und im Nördlichen Atlantik bzw. am Südrand des arktischen Eismeeres. Die Operationen der Royal Navy und die diese durchführenden Kommandos trugen die Namen „Dover Patrol“ (Abriegelung des Ärmelkanals) und „Northern Patrol“ (Abriegelung des nördlichen Atlantiks zwischen Island, Schottland und den Lofoten). Ziel war es, das wirtschaftlich von Importen abhängige Deutsche Reich vom Zugang zum Atlantik abzuschneiden und mittelfristig Unruhen unter der Bevölkerung auszulösen. Die geostrategisch günstige Lage spielte Großbritannien dabei in die Hände, das zudem die größere Kriegsflotte besaß.

Die Folgen dieser Blockade bekam das Deutsche Reich in Form von Lebensmittel- und Rohstoffknappheit zu spüren. Zwar konnten einzelne deutsche Schiffe, darunter Hilfskreuzer und das Handels-U-Boot „Deutschland“, die Blockade durchbrechen, aber die Einfuhren konnten den Bedarf bei weitem nicht decken. Im Winter 1916/17 brach aufgrund der Mangelversorgung eine Hungersnot im Deutschen Reich aus, der sogenannte Steckrüben- oder auch Kohlrübenwinter, nachdem auch die noch neutralen USA – kurz vor dem eigenen Kriegseintritt – den Handel mit dem künftigen Kriegsgegner gestoppt hatten.

Karte von Großbritannien und Irland mit blau gekennzeichneter Blockadezone der deutschen U-Boote

Die Seeblockade Großbritanniens gegen das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg

Bundeswehr/Frank Schemmerling

Hunger im Deutschen Reich

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges starben mehrere hunderttausend Menschen im Deutschen Reich an Unterernährung, was letztlich zur Niederlage beitrug. Denn die Mangelversorgung führte immer wieder zu Protesten und Streiks, die auch die Produktion von Rüstungsgütern beeinträchtigten, die im totalen, technisierten Krieg essentiell waren. Neben Lebensmitteln fehlten auch Heizmaterial und Hygienemittel – bspw. war Seife rationiert und musste ebenfalls über Seifenkarten bezogen werden –, was die Effekte der Unterernährung verstärkte und zu weiteren gesundheitlichen Folgen führte. Letztere wurden im Frühjahr 1918 nochmals durch die erste Welle der Spanischen Grippe verstärkt, die zusätzliche Menschenleben kostete.

Kampf gegen die Blockade

Das Kaiserreich versuchte – neben dem Einsatz von Blockadebrechern – mit verschiedenen Maßnahmen, die Blockade zu beenden. Damit verbundene Ziele der deutschen Marine waren die Störung des britischen Handels und die Vernichtung zumindest von Teilen der Royal Navy. Am 31. Mai und 1. Juni 1916 fand die Skagerrakschlacht statt, die größte Seeschlacht im Ersten Weltkrieg. Die zahlenmäßig stärkeren Briten hatten auch die höheren Verluste zu verzeichnen, doch endete die Schlacht unentschieden, ohne den vorherigen Status zu ändern. Die Royal Navy war weiterhin in der Lage, die Blockade aufrecht zu erhalten, und die Kaiserliche Marine war zu einem weiteren Versuch einer maritimen Entscheidungsschlacht nicht bereit.

Zweimal erklärte das Deutsche Reich zudem den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, der sich nicht nur gegen die gegnerischen Seestreitkräfte, sondern auch die feindliche und neutrale Handelsschifffahrt richtete; das erste Mal ab Februar 1915. Im Mai 1915 wurde im Zuge dieser Kriegsführung der auch zum Transport von Waffen genutzte britische Passagierdampfer „Lusitania“ von einem deutschen U-Boot versenkt. Dabei starben auch über 100 Amerikaner, so dass die US-Regierung mit dem Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten drohte. Deutschland nahm den uneingeschränkten U-Boot-Krieg zurück. Im Frühjahr 1917, nachdem das Deutsche Reich erneut den uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärt hatte, um die weiterhin bestehende Seeblockade der Briten zu brechen, traten die USA in den Krieg ein, was endgültig zur Niederlage der Mittelmächte beitrug.

Text und Karte zum Herunterladen

von Robert Riemer

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