D-Day auf Kuba am 17. April 1961: Die gescheiterte Landung in der Schweinebucht
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Amphibische Landungen gehören zu den schwierigsten militärischen Operationen. 1944 gelang es in der Normandie. 1961 scheiterten die US-Amerikaner auf Kuba. Die US-Amerikaner? Schon die Frage, wessen Operation es war, führt in eine Grauzone.
Historische Ereignisse in Kartenansicht
Bundeswehr/Andrea NimpschAn Land gingen Kubaner, genauer Exil-Kubaner in Opposition zum seit Anfang 1959 auf der Insel herrschenden kubanischen Diktator Fidel Castro. Sein Sturz war das Ziel der Operation. Erst wenn die Exil-Kubaner aus eigener Kraft und durch Unterstützung aus der Bevölkerung ein größeres Gebiet eingenommen hätten, wären die USA der von ihnen eingeflogenen, neuen kubanischen Regierung auf deren Ersuchen mit regulären US-Verbänden zu Hilfe gekommen.
Vor einer direkten Beteiligung der US-Streitkräfte schon bei der Landung schreckte Präsident John F. Kennedy aus Rücksichtnahme auf das Ansehen seines Landes in der Welt und auf die erwartbaren kritischen Stimmen in den Vereinten Nationen zurück. Aber dennoch waren US-Amerikaner schon im April bei der Landung dabei. Die CIA – der zentrale Auslandsgeheimdienst der USA - hatte die Exil-Kubaner in Camps in Guatemala ausgebildet, ausgerüstet, den Operationsplan entworfen und führte vor Ort. Die Exil-Kubaner hatten sogar eine eigene Luftwaffe. Im Cockpit der ebenfalls von den USA bereitgestellten B-26-Bomber saßen neben Kubanern auch Piloten der CIA und der Alabama Air National Guard. In der karibischen See bei den Cayman-Inseln hielt sich die 2. US-Flotte u.a. mit zwei Flugzeugträgern bereit, die Landung aus der Luft zu unterstützen. Aber der Befehl des Präsidenten kam nicht.
Zunächst aber gab Kennedy am 14. April grünes Licht für die Operationen, die einen Tag später mit Luftangriffen begann. B-26-Bomber der CIA, bemalt mit den Hoheitszeichen der kubanischen Luftwaffe, griffen deren Basen an. Luftüberlegenheit ist wichtig für das Gelingen einer Landungsoperation. Es gelang aber nicht, alle Kampflugzeuge der kubanischen Regierungstruppen zu zerstören. Die Täuschung im Design sollte einen Aufstand von Teilen der eigenen Luftwaffe gegen Castro imitieren. Alles an der Operation sollte wie ein innerkubanischer Kampf aussehen. Nichts sollte auf eine direkte US-amerikanische Beteiligung schließen lassen. Daher mussten die Landungsschiffe und -boote und die Bomber auch von Guatemala und Nikaragua aus operieren und an der Südküste, an der Playa Girón und in der Bahia de Cochinos, der Schweinebucht, landen. Diese wenig bevölkerte und von den Zapata-Sümpfen umschlossene Region schien der ideale Ort für die Landung zu sein. Die Regierungstruppen müssten erst herangeführt werden und dies über nur zwei schmale Straßen.
Die Kampfhandlungen in der Schweinebucht vom 17. bis 19.4.1961
Bundeswehr/Daniela HeinickeVier US-amerikanische Transportschiffe brachten die Truppen in der Nacht vom 16. zum 17. April in die Küste der Playa Girón („Blue Beach“). Die Landungen wurden von Kampfschwimmern gesichert. Fallschirmjäger waren zuvor etwa zehn Kilometer weiter ostwärts im Raum Horquitas gelandet. Das Transportschiff „Houston“ brachte anschließend einen kleineren Teil der Truppen zur 35 km weiter nordwestlich gelegenen Playa Larga („Red Beach“). Die Landung dort wurde durch die zuvor von der CIA nicht erkannten Korallenriffe stark behindert. So in der Navigation eingeschränkt, wurde die „Houston“ im Morgengrauen von der kubanischen Luftwaffe versenkt. An Bord der „Houston“ waren noch 180 Kämpfer, sie konnten sich an Land retten, ihre Ausrüstung aber war verloren. Dennoch gelangen die Landungen von zusammen rund 1.300 Mann. Sie formierten sich in sechs Infanteriebataillone, ein Bataillon schwere Waffen, ein Bataillon mit gepanzerten LKWs und eine mit M41 ausgerüsteten Panzerkompanie.
Noch bevor die Schiffe vollständig entladen werden konnten, gelang der kubanischen Luftwaffe die Zerstörung eines weiteren, mit Ausrüstung, Munition und anderen Nachschubgütern beladenen Schiffes. Die „Rio Escondido“ hatte Munition und Betriebsstoff für zehn Tage geladen. Die am 15. April nicht zerstörten kubanischen Flugzeuge (u.a. vom Typ B-26) nahmen die Landungsköpfe unter Feuer. In den Luftkämpfen schossen die Regierungsflugzeuge zwei Bomber der Invasoren ab.
Castro übernahm selbst die Führung der Verteidigung. Seinen Gefechtsstand richtete er in der Zuckermühle „Central Australia“, an der einzigen Zufahrtsstraße nach Playa Larga, ein. Sein Plan sah vor, zunächst die schwächeren Landungskräfte am dortigen Red Beach anzugreifen. Nach Kämpfen in der Nacht vom 17. zum 18. April mussten die Invasoren Playa Larga aufgeben und sich am Morgen zur Playa Girón zurückziehen.
Nach zwei Tagen, am späten Nachmittag des 19. April, war auch dort der Kampf zu Ende. Rund 1.200 exil-kubanische Kämpfer gingen in Gefangenschaft. 114 Exil-Kubaner, vier US-Amerikaner und 176 kubanische Soldaten waren gefallen, zudem eine nicht genau bezifferte, aber weit höhere Zahl von paramilitärischen Kämpfern der Revolutionsmiliz. Für das Scheitern der Operation machten Exil-Kubaner das Zögern Kennedys verantwortlich. Andere Kritiker bewerteten den von der CIA erarbeiteten Operationsplan angesichts der unzureichenden Ausstattung mit Kräften und Mitteln als von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
Text und Karte zum Herunterladen
von Klaus StorkmannKarten oder Grafiken zur Militärgeschichte mit erklärenden Texten zum Download.