Arbeitstagung zum Kulturgutschutz in der Bundeswehr
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Der Krieg in Europa und die daraus abgeleiteten Zukunftsszenarien lassen eine Frage wieder in den Vordergrund treten: Wie wird Kulturgut vor Zerstörung geschützt? Für ihre Beantwortung sind die Einrichtungen des Museums- und Sammlungsverbundes der Bundeswehr (MSVBw) zentrale Orte und Akteure.
Auftakt im Lehrsaal der Panzertruppenschule: Oberstleutnant Dr. Chris H. vom MHMBw in Dresden berichtet über vergangene und künftige Ausstellungs- und Ausbildungsvorhaben des Leitmuseums im MSVBw
Bundeswehr / Clemens BleyDiese und viele verwandte Fragen bildeten vom 15. bis 19. Juni 2026 den Hintergrund für das alljährliche Netzwerk-und Bildungstreffen der Mitglieder und Partner im MSVBw in Gestalt der mittlerweile 42. Arbeitstagung. Wenngleich Kulturgut auch anderen Gefahren im Alltag ausgesetzt sein kann, stand hier das derzeit immer wahrscheinlicher werdende Szenario eines bewaffneten Konfliktes im Mittelpunkt.
Aktuelle Beispiele aus der Ukraine und der Blick zurück in die (Militär-)Geschichte boten den thematischen Einstieg in das Leitthema, ergänzt um die aktuelle Weisungslage des BMVg und die rechtlichen Rahmenbedingungen. Impulse aus ZMSBw und MHMBw sowie spannende Seitenblicke in die Schweiz und auf unsere Kooperationspartner Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven und Aeronauticum Nordholz ergänzten das Lagebild, denn: „Man kann nur retten, was man kennt.“ Insofern ist eine wesentliche Erkenntnis, Botschaft und zugleich Verpflichtung: Bestandserfassung und -dokumentation.
Die Evakuierung von Objekten ist oft erst die letzte Möglichkeit, wenn alle anderen Schutzmaßnahmen zwecklos geworden sind. Auch deshalb muss Kulturgutschutz weit im Friedensbetrieb beginnen. Dies zeigten die Beiträge aus dem MHMBw und die teils exklusiven Einblicke in die Ausbildungs-, Depot- und Ausstellungsbereiche der Lehrsammlung der Panzertruppenschule sehr eindrücklich. Exkursionen führten ins Deutsche Panzermuseum, zur Erinnerungsstätte der Luftbrücke nach Faßberg und nach Lüneburg, wo das Aufklärungslehrbataillon 3 die Neukonzeption seiner Lehrsammlung aktiv zur Diskussion stellte. Eine Geländebegehung bei Lüneburg am historischen Ort der Teilkapitulation der Wehrmacht vom 4. Mai 1945 rückte erneut auch den Kernauftrag des Museums- und Sammlungswesens der Bundeswehr in den Vordergrund: Militärgeschichtsvermittlung als Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und damit der mentalen Einsatzbereitschaft der Streitkräfte.
Tagungsteilnehmende vor dem "FASSBERG-FLYER", einer rekonstruierten Transportmaschine vom Typ C-47, wie Sie bei der 1948/49 auch von Faßberg aus eingerichteten Luftbrücke zur Versorgung des blockierten Berlins zum Einsatz kam
Bundeswehr / Stefan BiengeDas Deutsche Panzermuseum Munster, die Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr und die zivile Universität in Hamburg sowie die Sammlungen des Sammlungsverbunds in Calw, Flensburg und Frankenberg (Sachsen) gaben Einblicke in Ihre eigene Arbeit. Wertvolle und vor allem praktische Anregungen konnten mitgenommen werden. Denn schließlich sind es die Dienststellen vor Ort, die den Betrieb der über 100 Ausstellungen mit viel Eigeninitiative gewährleisten.
Die hervorragende organisatorische und inhaltliche Unterstützung der gastgebenden Panzertruppenschule in Munster sowie der benachbarten Dienststellen in Faßberg und Lüneburg ermöglichten schließlich eine rundum gelungene und prägende Veranstaltung.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 42. Arbeitstagung des Museums- und Sammlungsverbundes der Bundeswehr vor dem Ehrenmal in der Panzertruppenschule Munster
Bundeswehr / Sebastian MieheEs bleibt noch viel zu tun: neben der Ausgestaltung von ganz konkreten Maßnahmen, die die Dienststellen individuell für sich im Akutfall umsetzen müssen, gilt es außerdem, Informationen zu beschaffen und zugänglich zu machen, Expertise aufzubauen, Netzwerke - auch mit dem Bibliothekswesen - weiter auszubauen und Wege zu ebnen. Oberste Maxime dabei: Dinge jetzt regeln, bevor dafür im Ernstfall keine Zeit mehr bleibt. Der Auftrag liegt auf dem Tisch, den Kulturgutschutz für den Bereich der Bundeswehr zu systematisieren und aktiv - gemeinsam - auszugestalten.
Handwaffen - ein Dauer- und Spezialthema im Museums- und Sammlungsverbund der Bundeswehr - aus über 100 Jahren deutscher Militärgeschichte legen technik- und taktikhistorisches Zeugnis über Gefechts- und Operationsführung sowie Alltags- und …
Bundeswehr / Daniel Schilling
Museumsdirektor Ralf Raths gab Einblicke in Kuratierung, Betrieb, Konzeption und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Panzermuseums, das zum Großteil aus der Lehrsammlung der Panzertruppenschule besteht
Bundeswehr / Daniel Schilling
Der neu gestaltete Ehrenhain der Panzertruppenschule gedenkt den aufgelösten Verbänden der Panzertruppe der Bundeswehr, wobei die Steine der Großverbände in einem Steinfeld in der geographischen Form Deutschlands platziert sind
Bundeswehr / Daniel Schilling
Die Militärgeschichtliche Sammlung des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe (Abt Nord) zum Gedenken an die Luftbrücke ist unter anderem in Nissenhütten eingerichtet, die den Originalen zur Unterbringung im Jahre 1948 nachempfunden sind
Bundeswehr / Daniel Schilling
Mittendrin: Im Ausbildungs- und Ausstellungsbereich der Lehrsammlung des Aufklärungslehrbataillons 3 „Lüneburg“ wurde mit Oberstleutnant Frederik V. lebhaft über Neukonzeption, Objektbestand, Sammlungskonzept und Infrastruktur diskutiert
Bundeswehr / Daniel Schilling
Am freigelegten und für die Tagung eigens rekonstruierten Originalschauplatz erläutert Stadtchronist Hans-Joachim Boldt Ablauf und Erinnerung der Kapitulation vom 4. Mai 1945, die Feldmarschall Montgomery hier von Wehrmachtsvertretern entgegennahm
Bundeswehr / Daniel SchillingWeitere Informationen und Berichte der vergangenen Arbeitstagungen