Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung 4/2026
- Datum:
- Ort:
- Potsdam
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- 4 MIN
Fantastische Militärgeschichten: Die neue Ausgabe der Zeitschrift „Militärgeschichte“ steht im Zeichen von Orks, Fantasy-Literatur und dem russischen Krieg gegen die Ukraine. Zudem geht es um die Schlacht bei Hastings, den Suezkrieg, den SFOR-Einsatz, die Zivilverteidigung und um Munition im Meer.
Den Feind im Blick: Eine Ork-Gesichtsmaske in einem ukrainischen Unterstand in der Region Donezk, Januar 2026.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Tommaso FumagalliWie kam es dazu, dass der „Ork“ im aktuellen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine eine so prominente Rolle einnehmen konnte? Wie wurden die russischen Invasoren zu „Orks“ und warum tauchen sie in deren Gestalt inzwischen selbst auf Werbeplakaten der ukrainischen Armee auf? Wie kam es dazu, dass der Google-Übersetzer „Russland“ bei der Übersetzung ins Ukrainische zu „Mordor“ machte? Und wie hängen Krieg, Militär und Fantasy-Literatur überhaupt miteinander zusammen?
Diesen Fragen geht Nils Birk in seinem Beitrag nach und analysiert, wie Geschichten Kriege prägen. Ausgehend von Tolkiens „Herr der Ringe“ zeigt er auf, wie Mythen, Narrative und vor allem die Figur des „Orks“ den Sprung in die Realität vollzogen und dem ukrainischen Verteidigungskampf eine eigene Bildsprache verleihen. Aber auch weit darüber hinaus prägen die Tolkien’schen Fantasiewelten die Sprache moderner Kriegführung.
König Charles III., der britische Premierminister Andy Burnham und der französische Präsident Emmanuel Macron stehen im Herbst 2026 staunend vor einem einzigartigen historischen Artefakt: dem Teppich von Bayeux – einer historischen Bildquelle, welche die Geschichte beider Länder untrennbar verbindet. Auf dem Teppich festgehalten ist die Schlacht bei Hastings. Vor 960 Jahren, im Oktober 1066, brach der normannische Herzog Wilhelm der Eroberer von der französischen Küste nach England auf und es gelang ihm, den englischen König Harald II. vernichtend zu schlagen. Nicht nur militärhistorisch ist diese Schlacht von besonderer Bedeutung, wie Martin Hofbauer aufzeigt. Wilhelm der Eroberer wurde anschließend zum englischen König gekrönt. Normannische Kultur und Herrschaftsvorstellungen hatten langfristig einen prägenden Einfluss in England.
Übersteht ein Bündnis militärische Alleingänge eines oder mehrerer seiner Partner? Schiffsblockaden im Nahen Osten? Die Kooperation einzelner Verbündeter mit gegnerischen Staaten? Was sich wie den gestrigen Nachrichten entnommen anhört, liegt in diesem Fall bereits 70 Jahre zurück: all diese Aspekte finden sich im Suezkrieg von 1956. Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser verstaatlichte damals den Suezkanal.
Dagegen vorgehen wollten Briten und Franzosen in einer geheimen Allianz mit Israel. Militärisch war das Bündnis erfolgreich, doch Nasser wehrte sich mit anderen Mitteln. Er versenkte mehrere Schiffe im Suezkanal und gefährdete dadurch die Ölversorgung Mitteleuropas. Außerdem hatten die Alliierten nicht mit dem Widerstand der USA gerechnet, die in die Pläne ihrer Verbündeten nicht eingeweiht waren. In der Folge kooperierten die USA in den Vereinten Nationen mit ihrem Erzfeind, der Sowjetunion, um das Vorgehen der eigenen Bündnispartner zu stoppen. Ein militärhistorischer Krimi, dem Winfried Heinemann in seinem Beitrag auf die Spur geht.
Die Einrichtung neuer Schutzräume, die Neuauflage einer bundesweiten Warn-App, regelmäßige Sirenenproben am 6. September eines jeden Jahres, 100 Milliarden für die Bundeswehr, aber auch 100 Millionen für die Zivilverteidigung. Noch nie wurde so viel für Verteidigung – die militärische wie die zivile – getan, wie seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022. Noch nie seit Ende des Kalten Krieges. Denn vor 1989/90 war die Bedrohungslage ebenfalls hoch. Die Bundesrepublik bereitete Maßnahmen für einen möglichen Angriff des Warschauer Paktes vor. Dass, damals wie heute, die zivilen und die militärischen Anteile der Verteidigung unabdingbar miteinander zusammenhängen und sogar voneinander abhängig sind, zeigt Cornelia Juliane Grosse in ihrem Beitrag für die Rubrik „Im Blickpunkt“. Schlaglichtartig zeichnet sie ein Bild der umfänglichen Maßnahmen der Zivilverteidigung, zu der weit mehr gehört als Sirenentests und Schutzraumplätze.
Komplexe Verteidigung: Schon im Kalten Krieg waren die militärische und die zivile Seite der Verteidigung aufeinander angewiesen.
Bundeswehr/Carola KlinkeAnfang der 1990er-Jahre war der Westbalkan eine Krisenregion. In den Jugoslawienkriegen kämpften ab 1991 die Volksgruppen der Region um Unabhängigkeit, staatliche Eigenständigkeit und ethnische Vorherrschaft. Die blutige Auseinandersetzung wurde 1995 durch das Dayton-Abkommen eingehegt. Im UN-Auftrag und NATO-geführt wurden zuerst die internationale IFOR (Implementation Force) und anschließend die SFOR (Stabilisation Force) eingesetzt, die mit einem robusten Mandat ausgestattet das Ende der Kampfhandlungen erzwingen und die Lage stabilisieren sollten. Inwieweit es gelang, diesen Auftrag umzusetzen, und wie sich die Bundeswehr an dem Einsatz beteiligte, beleuchtet Agilolf Kesselring in seinem Beitrag.
Die Ostsee ist vermeintlich ein ruhiges Binnengewässer, in dem – abgesehen von dem ein oder anderen Wal – nur selten etwas Außergewöhnliches auftaucht. Doch so ruhig die Ostsee oberflächlich scheinen mag, wird es doch unruhiger, wirft man einen Blick unter die Wasseroberfläche. Dies tun Christian Jentzsch und Uwe Wichert in ihrem Beitrag. Sie zeigen auf, wie die Ostsee zu einem Sammelbecken für Munitionsaltlasten wurde, die dort auch heute noch massenhaft unter der Oberfläche lagern. Es ist ein gefährliches Erbe, das auch über 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch in den Tiefen der Ostsee schlummert und einer Beseitigung weitgehend harrt.
Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung, 4/2026 PDF, nicht barrierefrei, 7 MB