BMVgBundesministerium der Verteidigung beauftragt Studie zu sexualisiertem Fehlverhalten in der Bundeswehr
Forschung- Datum:
- Ort:
- Potsdam
- Lesedauer:
- 3 MIN
Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) erforscht im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung sexualisiertes Fehlverhalten im militärischen Alltag der Bundeswehr. Das Forschungsprojekt und die empirische Datenerhebung läuft seit dem 10. Februar 2026. Ergebnisse werden Ende 2026 erwartet.
Symbolbild. Sexualisiertes Fehlverhalten ist ein internationales wie nationales Phänomen. Der Umgang mit dieser Thematik in der Bundeswehr wird durch das ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr im Auftrag des BMVgBundesministerium der Verteidigung erforscht.
Bundeswehr/EnglerSexualisiertes Fehlverhalten widerspricht den Grundwerten der Bundeswehr und hat in den Streitkräften keinen Platz. Betroffene verdienen vollen Schutz und Unterstützung. Ziel ist eine Kultur, in der sich alle sicher fühlen und Fehlverhalten keinen Raum hat. Zugleich zeigen Erfahrungen aus vielen Organisationen – auch aus Streitkräften anderer Länder –, dass Vorfälle trotz bestehender Regeln, Ausbildung und Präventionsmaßnahmen nicht vollständig ausgeschlossen werden können. Der Umgang mit dieser Thematik erfordert daher dauerhafte Aufmerksamkeit, konsequentes Handeln und wissenschaftliche Auseinandersetzung.
Ein nicht unerheblicher Anteil sexualisierten Fehlverhaltens wird erfahrungsgemäß nicht erkannt oder nicht gemeldet, spiegelt sich folglich auch nicht in Statistiken wider. In der Forschung wird dieses Phänomen als „Dunkelfeld“ bezeichnet. Gerade bei sensiblen Themen können Hemmnisse wie Scham, Angst vor negativen Konsequenzen, fehlendes Vertrauen in Verfahren oder falsch verstandene Kameradschaft dazu beitragen, dass Vorfälle nicht oder erst spät gemeldet werden.
Die Studie soll dazu beitragen, dieses Dunkelfeld besser zu verstehen. Sie soll zugleich die Rahmenbedingungen analysieren, unter denen sexualisiertes Fehlverhalten begünstigt, toleriert oder wirksam begrenzt wird. Ziel ist es, eine empirisch fundierte Grundlage zu schaffen, um Prävention, Führungshandeln und Meldewege weiterzuentwickeln. Letztendlich soll sie Maßnahmen aufzeigen, die Soldatinnen und Soldaten bestmöglich vor sexualisiertem Fehlverhalten schützen.
Das Forschungsvorhaben leistet darüber hinaus einen Beitrag zur Transparenz und zur Weiterentwicklung der Inneren Führung.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Sexualisiertes Fehlverhalten“ ist für die Bundeswehr nicht neu: Die aktuelle Studie knüpft an internationale wie nationale Forschungserkenntnisse an und entwickelt sie methodisch weiter.
Wie bei allen Untersuchungen des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr werden dabei hohe wissenschaftliche, methodische, datenschutzrechtliche und forschungsethische Standards beachtet. Die Teilnahme an den Interviews und der Umfrage ist freiwillig. Die standardisierte Befragung ist anonym angelegt; es werden keine personenbezogenen Daten erhoben, die Rückschlüsse auf einzelne Personen zulassen. Interviews werden vertraulich geführt und in der Auswertung anonymisiert. Die erhobenen Daten werden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken ausgewertet. Ziel ist es, empirisch fundierte Erkenntnisse zu gewinnen.
Symbolbild. Die Teilnahme von Soldatinnen und Soldaten an der Umfrage ist freiwillig. Alle Interviews erfolgen anonym und ohne Erhebung personenbezogener Daten.
Bundeswehr/GrüterichDie Studie zielt ausdrücklich nicht nur auf eine reine Bestandsaufnahme ab, sondern auf ein vertieftes Verständnis der Zusammenhänge, das als Grundlage für konkrete Handlungsempfehlungen dienen wird.
Im Mittelpunkt stehen drei zentrale Dimensionen:
Das Forschungsvorhaben ist als Kombination qualitativer und quantitativer Methoden angelegt, die sich folgendermaßen ergänzen: Während Interviews helfen, Erfahrungen, Deutungsmuster und organisationsbezogene Dynamiken sichtbar zu machen, ermöglicht eine standardisierte Befragung, repräsentative Daten zu erheben sowie die Ergebnisse systematisch zu überprüfen und wissenschaftlich einzuordnen.
Modul 1: Qualitative Interviews mit Soldatinnen und Soldaten
Im ersten Modul werden Interviews mit Personen geführt, die sich in ihrer Funktion regelmäßig mit dem Themenfeld befassen, unter anderem Gleichstellungsbeauftragte und Vertrauenspersonen. Ziel ist es, Erfahrungen im Umgang mit Vorfällen, der Meldekultur und der Prävention auf allen Ebenen zu erfassen und organisationsbezogene Bedingungen differenziert zu analysieren.
Modul 2: Repräsentative und anonyme Befragung in der Truppe
Im zweiten Modul ist eine standardisierte Befragung von Soldatinnen und Soldaten vorgesehen. Sie soll ermöglichen, das Ausmaß unterschiedlicher Formen sexualisierten Fehlverhaltens systematisch zu erfassen und zugleich die Bedingungen und Dynamiken zu untersuchen, die mit Auftreten, Wahrnehmung und Meldeverhalten zusammenhängen. Darüber hinaus sollen aus den Befragungsergebnissen Hinweise gewonnen werden, wie Präventionsmaßnahmen weiterentwickelt und gezielter ausgestaltet werden können.
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