Evaluation durch den Wissenschaftsrat abgeschlossen
Neben einer fachlichen Begutachtung wird der Wissenschaftsrat auch ein Gesamturteil über das ZMSBw abgeben.
Der Wissenschaftsrat, eines der wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremien in Deutschland, veröffentlichte seine Stellungnahme und den Bewertungsbericht zum Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw). Der Wissenschaftsrat hebt dabei die große Bedeutung des ZMSBw für das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und für die Bundeswehr hervor. Er betont die „guten bis hervorragenden“ Leistungen bei der militärgeschichtlichen und sozialwissenschaftlichen Forschung sowie bei der historischen Bildung und der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Logo des Wissenschaftsrates vor der Villa Ingenheim des ZMSBw
ZMSBwIn seiner Stellungnahme und seinem Bewertungsbericht stellt der Wissenschaftsrat zudem fest, dass das ZMSBw „hochwertige“ Grundlagen- und Auftragsforschung zur Geschichte und Gegenwart des deutschen Militärs in seinen Bündnissen auf hohem Niveau durchführt. Daraus leitet sich die Relevanz der geschichts- und sozialwissenschaftlichen Forschungen des ZMSBw für die Wissenschaft ab. Außerdem erbringt das Haus „unverzichtbare“ Transferleistungen für das BMVg und die Bundeswehr. Damit trägt das ZMSBw mit seinen vielfältigen Aktivitäten „wesentlich dazu bei, die Identifikation der Bundeswehrangehörigen mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und ihre Einbindung in die Gesellschaft zu stärken“ - ganz im Sinne des Leitbildes des „Bürgers in Uniform“.
In der Militärgeschichte ist das ZMSBw die „größte“ und in der Militärsoziologie die „einzige“ deutsche Forschungseinrichtung. Auf seinen Fachgebieten verfüge es zudem über die „bundesweit größte Spezialbibliothek“.
Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats sind wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des ZMSBw und sind gleichzeitig eine Bestätigung für dessen wissenschaftliches Profil. Die Vorschläge des Wissenschaftsrats bestärken das ZMSBw, seine Forschung weiterhin multiperspektivisch und interdisziplinär auszurichten, sie anschlussfähig an universitäre Forschungsperspektiven zu halten und seinen Forschungsgegenstand konsequent in andere Forschungskontexte einzubringen.
Nachdem das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) im Jahr 2005 und das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr (SOWI) 2009 erstmalig durch den Wissenschaftsrat begutachtet worden waren, stellte die Evaluation im Jahr 2022 die erste Begutachtung des aus MGFA und SOWI hervorgegangenen ZMSBw dar. In Umsetzung des „Konzepts für eine moderne Ressortforschung“ der Bundesregierung hatte das BMVg über das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit Schreiben vom 4. Mai 2015 gebeten, die Ressortforschungseinrichtungen in seinem Geschäftsbereich erneut evaluieren zu lassen. Der Wissenschaftsrat evaluierte daher das ZMSBw als letzte Ressortforschungseinrichtungen im Geschäftsbereich BMVg. Damit sollten die Forschungsleistungen sowie die wesentlichen wissenschaftsbasierten Aufgaben des Hauses qualitativ beurteilt werden.
Im ersten Schritt übersandte der Wissenschaftsrat Anfang Mai 2022 einen umfangreichen Fragebogen mit knapp 100, teils sehr unterschiedlich gehaltenen Einzelfragen. Dabei wurden u.a. Fragen zu allgemeinen Basisdaten, zur Aufgabenstellung der Einrichtung, zu Organisation und Management, zur wissenschaftlichen Forschung oder zu wissenschaftsbasierten Beratungs- und Dienstleistungen gestellt. Die Beantwortung des Fragebogens, wofür dem ZMSBw sechs Wochen Zeit eingeräumt wurden, umfasste schlussendlich beinahe 700 Seiten inklusive umfangreicher Anlagen.
Die schriftliche Beantwortung der Fragen des Wissenschaftsrats umfasste fast 700 Druckseiten
ZMSBwIm zweiten Schritt fand vom 7. Dezember bis 8. Dezember 2022 eine Vor-Ort-Begehung der Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats im ZMSBw statt. Den Vorsitz der Arbeitsgruppe übernahm Frau Professorin Dr. Margit Szöllösi-Janze, Inhaberin des Lehrstuhls für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Arbeitsgruppe umfasste zwölf Personen, darunter Expertinnen und Experten aus den Bereichen Militärgeschichte und Sozialwissenschaften, Vertreter des BMBF bzw. des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, daneben zwei Vertreterinnen der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates sowie als Gäste Vertreter des BMVg.
Tagesordnungspunkte der Vor-Ort-Begehung waren u.a. mehrere Gespräche mit der Zentrumsleitung, eine Begehung der Arbeitsbereiche, Gespräche mit Promovierenden sowie Mitarbeitern des ZMSBw, zudem Gespräche mit Vertretern des Wissenschaftlichen Beirats und von wissenschaftlichen Kooperationspartnern bzw. Nutzern.
Insgesamt war der Besuch von einer offenen, interessierten und zugewandten Atmosphäre geprägt. Das ZMSBw hatte die Möglichkeit, das Haus, seine Ausrichtung, seine Stärken, seine Arbeit und vor allem seine Menschen vorzustellen. Darüber hinaus konnten sogar Pläne für zukünftige Projekte und potentielle Kooperationen zwischen Arbeitsgruppenmitgliedern des Wissenschaftsrats und Angehörigen des Hauses besprochen und weiterreichende Netzwerke geknüpft werden. Der Ortsbesuch wurde ergänzt um einen Informationsbesuch am Militärhistorischen Museum der Bundeswehr (MHMBw) in Dresden am 9. Dezember 2022, der die Evaluation abrundete.
Arbeitsgruppe zur Evaluation des ZMSBw druch den Wissenschaftsrat
ZMSBwUm die Evaluation umfassend vorzubereiten, richtete das ZMSBw eine hausinterne Arbeitsgruppe ein. In Sitzungen und Klausurtagungen fanden die Vorarbeiten zur inhaltlichen Standortbestimmung und konzeptionellen Ausrichtung statt. Dazu wurde u.a. die aus dem Jahr 2020 stammende Forschungsweisung grundlegend überarbeitet und konzeptionell erweitert. Zudem wurde eine Konzeption für den Wissenstransfer am ZMSBw neu erstellt. Ein Leitlinien-Papier zum guten wissenschaftlichen Arbeiten am ZMSBw rundete die Papierlage ab. Von großer Wichtigkeit war es, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Evaluation einzubinden. Eine Aufgabe wie die Evaluation des gesamten ZMSBw umfassend vorzubereiten und durchzuführen konnte nur gemeinsam im Team gelingen.
Wissenschaftsrat (2023): Stellungnahme zum Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw), Potsdam; Köln.
Stellungnahme PDF, nicht barrierefrei, 729 KB