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Amerikas langer Arm. Kontroversen um die Nutzung von Grönland im Zweiten Weltkrieg.

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Herzlich willkommen zu Angelesen dem Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, heute zum Werk von Lothar Burchardt „Amerikas langer Arm. Kontroversen um die Nutzung von Grönland im Zweiten Weltkrieg“.

Das aus mitteleuropäischer Perspektive abgelegen erscheinende Grönland ist in den Mittelpunkt globaler Aufmerksamkeit gerückt, weil die USAUnited States of America deutlicher als zuvor ihr Interesse an der größten Insel der Welt zum Ausdruck gebracht haben. In dieser Folge von Angelesen möchten wir nun den historischen Wurzeln der amerikanischen Grönlandpolitik nachspüren. Lothar Burchardt, emeritierter Professor für die Geschichte der Neuzeit sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Konstanz, geht im vorliegenden Werk der Entwicklung der Beziehungen der USAUnited States of America zu Grönland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert nach. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt auf der Zeit des Zweiten Weltkriegs, in der entscheidende Weichen gestellt wurden. Im Zusammenhang mit dem Kauf Alaskas von Russland 1867 waren in den USAUnited States of America vereinzelt Stimmen laut geworden, eine vergleichbare Arrondierung des eigenen Territoriums sei auch in Richtung Nordosten sinnvoll, Grönland sei in diesem Sinne das Gegenstück zu Alaska. Dies blieben aber Einzelstimmen. Offizielles Interesse Washingtons am Erwerb Grönlands bestand nicht. Anders war es im Fall der karibischen Virgin-Islands, die seit dem 18. Jahrhundert in dänischem Besitz waren. Nach mehreren gescheiterten Anläufen kauften die USAUnited States of America diese Inselgruppe 1917. Auf Wunsch Dänemarks verpflichteten sie sich in einem Zusatzprotokoll zum Kaufvertrag, den alleinigen Besitzanspruch Dänemarks auf Grönland anzuerkennen. Dass diese Anerkennung nicht völlig vorbehaltlos war, zeigte sich in einer aufschlussreichen Episode wenige Jahre später. Als Großbritannien 1920 durchblicken ließ, es könne sich durchaus vorstellen, Grönland zu kaufen, machten die USAUnited States of America unmissverständlich klar, dass das nicht in Frage komme. Washington war nicht bereit „das Recht eines Drittlandes auf Erwerb von Grönland zu akzeptieren, falls Dänemark eines Tages verkaufen wolle“. Seitdem war der Anspruch auf ein amerikanisches Vorkaufsrecht formuliert. Es blieb ein theoretischer Anspruch. Tatsächlich unternahm Washington nichts, um Kopenhagen zum Verkauf zu bewegen. Nachdem im Zuge des von Hitler entfesselten Zweiten Weltkriegs die Wehrmacht im April 1940 Dänemark besetzt hatte, hielt man in den neutralen USAUnited States of America eine aktivere Grönlandpolitik für nötig. Falschmeldungen über die angeblich bevorstehende Errichtung deutscher Flugplätze und U-Boot-Häfen auf Grönland, die in den Monaten nach der deutschen Besetzung Dänemarks durch die USUnited States-Presse geisterten, halfen, diese aktivere Grönlandpolitik populär zu machen. Eine mit Unterstützung Großbritanniens geplante Entsendung kanadischer Truppen nach Grönland verhinderten die USAUnited States of America durch ihr Veto. Sie wollten sich das Heft des Handelns in Sachen Grönland von niemandem aus der Hand nehmen lassen. Der so vereitelte Plan einer kanadischen Besetzung Grönlands hätte der Sicherung des dortigen Bergbaus dienen sollen. Im Süden der Insel wurde Kryolith abgebaut, ein seltenes Mineral, das bei der Verhüttung von Aluminium eingesetzt wurde. Es war das einzige Exportgut Grönlands, das auch für die USAUnited States of America eine Rolle spielte. Für Deutschland war es uninteressant, weil in der deutschen Aluminiumindustrie mit ebenso brauchbarem synthetischem Kryolith gearbeitet wurde. Im Lauf des Zweiten Weltkriegs stellte auch die amerikanische Industrie auf synthetisches Kryolith um, so dass der Abbau auf Grönland bald unrentabel wurde. Washington erkannte die nun von Deutschland kontrollierte dänische Regierung nicht als handlungsfähig an. Stattdessen hielt man sich an den dänischen Botschafter in den USAUnited States of America, Henrik Kauffmann und an die Leitung der dänischen Verwaltung auf Grönland. Die Insel war in die Provinzen Nord- und Südgrönland gegliedert, die je von einem als „Landvogt“ titulierten höheren Beamten geleitet wurden. Die beiden Landvögte, Eske Brun und Aksel Svane, wollten eine Besetzung Grönlands durch kriegführende Mächte vermeiden und richteten im Mai 1940 ein Hilfsersuchen an die neutralen USAUnited States of America. Daraufhin richteten diese erstmals ein Konsulat auf der Insel ein. Die USUnited States-Küstenwache begann mit Patrouillenfahrten vor grönländischen Häfen. Die USUnited States-Interessen in Bezug auf Grönland waren klar: 

von Christoph  Kuhl
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