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Nachruf

Zum Tod von Oberst a. D. Dr. Klaus A. Maier

Zum Tod von Oberst a. D. Dr. Klaus A. Maier

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Nur wenige Offiziere im Militärgeschichtlichen Forschungsamt besaßen einen so nachhaltigen Einfluss auf die militärgeschichtliche Forschung und die damit verbundenen Methodenfragen wie Oberst a.D. Dr. Klaus A. Maier. Er verstarb am 5. Juli 2026 in Freiburg.

Ein Mann während eines Vortrages im Gelände.

Dr. Klaus A. Maier in den 1970er Jahren bei einer historischen Bildung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes

Jürgen Förster privat

Der 1940 in Friedrichshafen am Bodensee geborene Klaus Autbert Maier trat im April 1961 in die Bundeswehr ein und durchlief bis Ende September 1962 – wenige Wochen vor der Kubakrise – die Ausbildung zum Reserveoffizier der Luftwaffe. Nach seiner Entlassung studierte der Leutnant der Reserve von 1962 bis 1970 an der Eberhard Karls Universität Tübingen Geschichte, wissenschaftliche Politik und Amerikanistik und schloss sein Studium erfolgreich mit der Dissertation „Die Inschriften des Landkreises Saulgau“ ab, die sich mit mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Quellen befasste. In diesen Jahren leistete Klaus A. Maier auch zahlreiche Wehrübungen als Reserveoffizier der Luftwaffe – sein Weg zurück in die Bundeswehr schien vorgezeichnet: Nach dem Studium durchlief er einen regulären Offizierlehrgang an der Offizierschule der Luftwaffe in Neubiberg bei München, wo er anschließend bis zum März 1972 Hörsaalleiter war

Sein Wirken am Militärgeschichtlichen Forschungsamt

Vom 1. April 1972 bis zu seiner Pensionierung am 30. Juni 1998 gehörte Dr. Klaus A. Maier  dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) an, das bis 1994 seinen Dienstort in Freiburg im Breisgau hatte und als Folge der Wiedervereinigung nach Potsdam verlegt wurde.

Am MGFA war er zunächst im Forschungsbereich ”Zweiter Weltkrieg“ tätig. Mit seinem auch in ins Spanische übersetzten Buch ´Guernica, 26.4.1937. Die deutsche Intervention in Spanien und der „Fall Guernica“´setzte Maier ein erstes Ausrufezeichen als Militärhistoriker: Erstmals hatte ein deutscher Historiker den Luftangriff der aus deutschen Truppen bestehenden Legion Condor auf diese Stadt im Baskenland während des Spanischen Bürgerkrieges anhand historischer Quellen analysiert und als Kriegsverbrechen eingeordnet. Dem Luftkrieg widmete sich Maier immer wieder. Beispielsweise ordnete er in seinem bahnbrechenden Beitrag in Band 2 des Reihenwerks „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“, die Luftschlacht um England (dort „Battle of Britain“ genannt) in den größeren, militärpolitischen Kontext ein.

Geschichte der Bundeswehr

Dr. Klaus A. Maier wandte sich danach der Geschichte der Bundeswehr und der NATO zu, die ab 1979/80 im Forschungsbereich „Geschichte der Bundeswehr“ vorangetrieben wurde. Für das Großforschungsprojekt „Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik“ untersuchte er in seinem einführenden Beitrag zum 2. Band „Die internationalen Auseinandersetzungen um die Westintegration der Bundesrepublik Deutschland und ihre Bewaffnung im Rahmen der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft“. Er verließ damit als Autor die militärisch operativen Ebene und wandte sich den sicherheitspolitisch-multinationalen Dimensionen zu. Militärstrategie und die Nuklearfrage – insbesondere aus deutscher Sicht – gehörten danach zu den Schwerpunkten seines wissenschaftlichen Interesses und Forschens, zuletzt von 1994 bis 1998 als Leiter des Forschungsbereichs „Geschichte der Bundeswehr“.

Militärgeschichtliche Forschung

Maiers besonderes Interesse galt während seiner gesamten Zeit am MGFA der Methodologie, war er doch ein strikter Verfechter einer wissenschaftlich basierten Militärgeschichte, die er als Teil der modernen Geschichtswissenschaft verstand. In diesem Sinne wirkte er von 1976 bis 1994 als Redakteur der seit 1967 erscheinenden Militärgeschichtlichen Mitteilungen (MGM), zu deren wissenschaftlichen Renommee er maßgeblich beigetragen hat. Seine persönlichen „Erinnerungen an eine 20-jährige Redaktionstätigkeit für die Militärgeschichtlichen Mitteilungen“ hat er in der Sonderbeilage der MGZ zum 50-jährigen Jubiläum der MGM/MGZ 2017 veröffentlicht. Für ihn stand eine kritische Militärgeschichte im Vordergrund, die stets nach Bezügen zu Staat, Wirtschaft und Gesellschaft fragte, statt sich auf die historische Beschreibung einer militärischen Lage zu beschränken.

Das militärgeschichtliche Forschung in der deutschen Öffentlichkeit weniger wahrgenommen wurde als heute und von den Anhängern der älteren Kriegsgeschichte wegen ihrer quellengesättigten Kritik an der Wehrmacht Anfeindungen ausgesetzt war, hat Klaus A. Maier nie daran gehindert, seine Auffassung mit deutlichen Worten zum Ausdruck zu bringen. Stets widerstand er Versuchen der Instrumentalisierung der deutschen Militärgeschichte, beispielsweise nach dem Regierungswechsel 1982. Mehr noch hat er damalige Politisierungstendenzen mit seinem einschlägigen Beitrag „Überlegungen zur Zielsetzung und Methode der modernen Militärgeschichtsschreibung im MGFA und die Forderung nach deren Nutzen für die Bundeswehr seit Mitte der 1970er Jahre“ in der MGM substanziell kritisiert. 

Dr. Klaus A. Maier war als Vorgesetzter ein Teamplayer, der auch bei langen Projektsitzungen gut zuhören, zugespitzt und auch unterschwellig, geradezu subtil kommentieren konnte – mancher mag das weniger vertragen haben. Er war dabei nicht nur ein ausgewiesener Historiker, sondern auch ein überaus umgänglicher Kamerad und Kollege, der konsequent seine wissenschaftlichen Anliegen vertrat, ohne den Konflikt um seiner selbst willen zu suchen. Sein ausgleichendes Wesen wurde von nahezu allen Angehörigen im MGFA geschätzt. Er war verlässlich und ehrlich. Nicht zuletzt deshalb wurde er zum Vorsitzenden des Personalrates gewählt. In dieser Funktion hat er sich selbstlos für berechtigte Belange der Amtsangehörigen eingesetzt, insbesondere auch für die der ostdeutschen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die aus dem aufgelösten Militärgeschichtlichen Institut der DDR übernommen wurden. 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZMSBw werden Dr. Klaus A. Maier ein ehrendes Andenken bewahren.

von Oberstleutnant Dr. Heiner Möllers

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