Endlich Weltkulturerbe: die Landungsstrände der Normandie
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Kriegsschauplätze als Weltkulturerbe? Erst nachdem die UNESCO diese grundsätzliche Frage bejaht hatte, war der Weg für die Bewerbung aus Frankreich frei. Seit dem 26. Juli 2026 zählen die Landungsstrände der Normandie zum UNESCO-Welterbe. Der ZMSBw-Historiker Prof. Dr. Jörg Echternkamp hat den Bewerbungsprozess als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Region zehn Jahre lang unterstützt.
Geschützbunker der ehemaligen deutschen Küstenbatterie Longues-sur-Mer mit 15-cm-Kanone.
Jörg Echternkamp/ZMSBwIm Morgengrauen des 6. Juni 1944 gelangten rund 156.000 Soldaten aus den USA, Großbritannien, Kanada und weiteren Nationen über den Ärmelkanal an die mehr als 80 Kilometer langen Strandabschnitte im Nordwesten des besetzten Frankreichs. Der „D-Day“ gilt als ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Er war der Auftakt zur ersten Phase einer der größten Militäroperationen des Krieges. Das Ziel des Unternehmens „Overlord war es, in Westeuropa eine zweite Front gegen das nationalsozialistische Deutschland zu eröffnen und Europa von der Besatzung zu befreien. Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach lauteten die Codenamen der Strände. Bis heute lassen Bunkerreste, Bombenkrater und ehemalige Artilleriebatterien die heftigen Kämpfe ahnen, die um diesen Teil des Atlantikwalls geführt wurden. Auch wenn die Zahl der Veteranen immer kleiner wurde: Rund 5,9 Millionen Menschen besuchten 2025 die Erinnerungsorte der Normandie. Jetzt stehen die historischen Strände und die Landspitze Pointe du Hoc auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Bunkerreste am westlichen Landungsstrand Utah Beach.
Jörg Echternkamp/ZMSBwIn der Normandie feiert man den Erfolg eines fast 20-jährigen Engagements von Staat, Region und Gemeinden. Sie alle hatten sich auf die Fahne geschrieben, die historischen Orte mit Hilfe der Auszeichnung der UNESCO für künftige Generationen zu bewahren und das Geschehen im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Dazu hatte der Präsident der Region Hervé Morin einen internationalen Wissenschaftlichen Beirat eingesetzt, dem Historiker, Museologen und Unterwasserarchäologen aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Japan, Kanada, den USA und Russland angehörten. Aus Deutschland wurde Jörg Echternkamp berufen, der am damaligen Militärgeschichtlichen Forschungsamt zum Zweiten Weltkrieg, seiner Erfahrung- und Erinnerungsgeschichte gearbeitet hatte und mit französischen Kolleginnen und Kollegen eng zusammenarbeitete. Die Aufgabe des Beirats lautete: gemäß dem Auswahlkriterium VI der UNESCO den „außergewöhnlichen universellen Wert“ dieses einzigartigen militärgeschichtlichen Raumes herauszuarbeiten.
Denkmal „Les Braves“ (Die Mutigen), Omaha Beach. Die drei Elemente stehen für Flügel der Hoffnung, Freiheit und Brüderlichkeit.
Jörg Echternkamp/ZMSBwSeit 2016 trafen sich die Experten in Paris, Caen oder Cerisy, um die Landungsstrände und ihre Vergangenheit nach den Kriterien der UNESCO zu untersuchen. Sie inspizierten die Schauplätze militärischer Operationen wie den künstlichen Hafen vor der Küste von Arromanches, besichtigten Museen wie das Mémorial de Caen, besuchten den deutschen wie den amerikanischen Soldatenfriedhof und nahmen an internationalen Gedenkveranstaltungen teil. Dabei ging es nicht etwa um die eindrucksvollen Relikte selbst, sondern um die Bedeutung, die jenem Ereignis zugeschrieben wird, auf die sie verweisen: den Kampf für das Ende der NS-Herrschaft und den Beginn eines freien, geeinten Europas. In einer Zeit, in der Frieden und Freiheit in Gefahr sind und (auch) militärisch verteidigt werden, bilden die Landungsstrände als Ort des Weltkulturerbes ein starkes Symbol für Frieden und Freiheit, nicht nur in der Normandie.
von Forschungsbereich Militärgeschichte nach 1945