Inhalt
Internationale Konferenz

Natur – Tiere – Krieg

Dortmund

Kriege werden meist als Konflikte zwischen Menschen verstanden. Tatsächlich verändern sie aber auch Landschaften, Tierwelten und Ökosysteme – und zugleich prägen Umweltbedingungen und Tiere den Verlauf militärischer Auseinandersetzungen. Diesen Wechselwirkungen widmet sich die internationale Konferenz „Natur – Tiere – Krieg. Beziehungen und Wechselwirkungen von der Antike bis in die Gegenwart“. Die Veranstaltung findet vom 16. bis zum 18. September 2026 an der TU Dortmund statt. 

Blick auf die Landschaft Nordafghanistans und Männers zu Fuß und auf Pferden

Bild für eine ISAF-Reportage: Unterwegs mit dem Maultier in Tawa Tash

2004 Bundeswehr/ Kunduz

Krieg als Geflecht menschlicher und nichtmenschlicher Akteure

Im Zentrum der Konferenz steht die Frage, wie Natur- und Tierwelten im Kontext von Krieg und Gewalt verstanden werden können – nicht nur als Ressourcen, sondern auch als eigenständige Akteure, Resonanzkörper und Formen des Widerstands. Dabei richtet die Tagung ihre Aufmerksamkeit auf die historische Wirkmächtigkeit nichtmenschlicher Entitäten – etwa von Landschaften, Klima, Rohstoffen, Tieren oder Mikroorganismen – und auf ihre vielfältigen Verflechtungen mit menschlichen Gesellschaften in Kriegssituationen.

Ausgehend von einer multispezies- und umwelthistorischen Perspektive, die Tiere und Natur gleichermaßen berücksichtigt, sollen anthropozentrische Engführungen überwunden und militärgeschichtliche Narrative neu konturiert werden. Die Tagung versteht Krieg nicht allein als menschliche Handlungssphäre, sondern als Geflecht wechselseitiger Einwirkungen, in dem menschliche und nichtmenschliche Körper gleichermaßen verletzlich sind, Gewalt ausüben und von ihr geprägt werden. Im Mittelpunkt stehen Naturkräfte, Tiere, Vegetation und Mikroorganismen als Akteure, deren Handlungsmacht sich in asymmetrischen, aber wirksamen Beziehungen entfaltet.

Hubschrauber versprüht Entlaubungsmittel über landwirschaftlicher Nutzfläche

Vietnam. Entlaubungsmission, Hubschrauber versprüht Entlaubungsmittel über landwirtschaftliche Nutzfläche.

US-Army, Brian K. Grigsby, (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Defoliation_agent_spraying.jpg), public domain

Militär-, Umwelt- und Tiergeschichte zusammendenken

Der Konferenz liegt damit ein methodischer Dreischritt zugrunde: Militärgeschichte liefert das analytische Gerüst zur Untersuchung von Organisation, Technik, Logistik und Ideologie; Umweltgeschichte erschließt die Bedingungen und Folgen militärischer Eingriffe in Landschaften, Ressourcen und Ökosysteme; Tiergeschichte rückt die tierlichen Körper als gezüchtete, trainierte, mobilisierte oder getötete Akteure in den Fokus. Diese Triangulation erlaubt es, Krieg sowohl als soziales und politisches wie auch als naturkultürliches Phänomen zu fassen. Die Konferenz möchte die Ansätze nicht additiv, sondern relational verschränken: Wie prägten Naturbedingungen militärische Strategien? Welche Rolle spielten Tiere in Logistik, Symbolik und Gewaltpraxis? Und wie wirkten die Eingriffe des Militärischen langfristig auf Ökosysteme, Artenvielfalt und interspezifische Koexistenz zurück?

Die Tagung ist transdisziplinär und international ausgerichtet und bringt Forschende aller Karrierestufen aus verschiedenen Disziplinen zusammen. Sie bietet ein Forum für den Austausch unterschiedlicher Forschungsansätze und Methoden und eröffnet neue Perspektiven auf das Verhältnis von Natur, Tieren und Krieg.  Ergänzt wird die Tagung durch eine kleine Ausstellung historischer Fotografien und Gemälde, die zentrale Themen der Konferenz visuell erschließt.

Anmeldung und praktische Hinweise

Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Um sprachliche Barrieren abzubauen und eine breitere internationale Teilhabe zu ermöglichen, setzen wir KI-gestützte Simultanübersetzung ein.

Aufgrund einer zeitgleich stattfindenden Großveranstaltung sind die Hotelpreise in Dortmund während des Tagungszeitraums außergewöhnlich hoch. Wir empfehlen daher, eine Unterkunft in Bochum zu buchen. Von Bochum Hauptbahnhof aus ist die TU Dortmund mit der S-Bahn in rund 14 Minuten erreichbar.

Programm

 Mittwoch, 16. Sept. 2026
12:00 - 13:00 Anmeldung / Registration
13:00 - 13:15Begrüßung / Welcome
13:15 - 14:00

Einführung / Introduction (in English)

Moderation: Alexander Reineke (Ruhr University Bochum)

 

  • Frank Reichherzer (Bundeswehr Centre of Military History and Social Sciences, Potsdam)

     

  • Mieke Roscher (University of Kassel)

     

  • Bernd Sommer (TU Dortmund)
14:00 - 15:45

Panel 1: Wissen und Wissenspraktiken (in German)

Chair: Marcel Sebastian (TU Dortmund)

Discussant: Mieke Roscher (Universität Kassel)

 

  • Zsuzsanna Ihar (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin) 

    Conceptualising Multispecies Militarism (Zur Konzeptualisierung eines Multispezies-Militarismus)

     

  • Ina Heumann (Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, Berlin) 

    Naturkunde im Schützengraben. Sammlungsgeschichte als Militärgeschichte, 1914-1945

     

  • Frank Reichherzer (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam) 

    „Wehrlandschaften“. Terraforming als Bellifizierung des Naturraums in der Zeit des Nationalsozialismus

15:45 - 16:15Kaffeepause / Coffee Break
16:15 - 18:00

Panel 2: Horses, Environment and Military Practices (in English)

Chair: Martin Clauss (TU Chemnitz)

Discussant: André Krebber (Albert Ludwig University of Freiburg)

 

  • Hafis Chalthodi (University of Hyderabad)

    Horses without Cavalry. The Malabar Coast and the Circulation of Warhorses in Medieval South India

     

  • Oliver Creighton (Exeter University) (online)

    Horses, Landscape and Warfare in the Middle Ages. Research Insights from the The Medieval Warhorse Project

     

  • Charlie Molony (Lancaster University)

    Horses and Hiwis. Auxiliaries and horse care in the Wehrmacht

18:00 - 18:30Kaffeepause / Coffee Break

18:30 - 20:00

 

Keynote (in English)

Anna-Katharina Wöbse (Albert Ludwig University of Freiburg)

Picturing Wars. An Entangled Visual History of Animals, Environment, and the Military

 

Moderation: Christoph Nübel (Bundeswehr Centre of Military History and Social Sciences, Potsdam)

ab 20:00Empfang / Reception
 Donnerstag, 17. Sept. 2026
9:00 - 10:45

Panel 3: „Slow Violence” – Ökologische Transformationen durch militärische Gewalt (in German)

Chair: Timm Schönfelder (Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa, Leipzig)

Discussant: Kerrin Langer (TU Dortmund)

 

  • Franziska Quaas (Philipps-Universität Marburg)

    Wenn Natur Krieg führt. Naturzeit und militärische Gewalt in der mittelalterlichen Kriegführung

     

  • Thomas Kieslinger (Diözesanmuseum St. Afra) (online)

    „Die Maas wimmelt von Pferdeleichen“. Pferde, Umwelt und militärische Praxis im Deutsch-Französischen 

    Krieg (1870/71) 

     

  • Marius Jugel (Universität Passau)

    Maritime militärische Altlasten. Multidimensionale Herausforderung für das und im Zusammenhang mit dem 

    Ökosystem Meer

10:45 - 11:15Kaffeepause / Coffee Break
11:15 - 13:00

Panel 4: Außergewöhnliche Akteure im Zeitalter der Weltkriege (in German)

Chair: Friederike Hartung (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam)

Discussant: Marcel Sebastian (TU Dortmund)

 

  • Ulrike Heitholt (Universität Kassel)

    Vom Stall an die Heimatfront. Hühner im Ersten Weltkrieg

     

  • Corinna Röver (Linköping University)

    Grenzüberschreitende Rentierhaltung in Schweden und Norwegen während des Zweiten Weltkriegs

     

  • Christian Zumbrägel (Universität Bielefeld)

    Biopolitik am Karpfenteich. Aquakultur, Autarkie und tierliche Agency im Nationalsozialismus

13:00 - 14:00

 

Mittagspause / Lunchbreak
14:00 - 16:00

Panel 5: Symbols, Power and Representation (in English)

Chair: André Krebber (Albert Ludwig University of Freiburg)

Discussant: Lisa Kolb (University of Konstanz)

 

  • Vid Žepič (University of Ljubljana)

    Hippophily as a Military Privilege in the Hittite Laws 

     

  • Suzanne Foxley (University of Erfurt)

    Prized Beings. Animal captives in early modern British maritime warfare

     

  • Muhammed Junaid (University of Hyderabad)

    Animals, Landscapes, and Revolt. Re-reading the Nineteenth-Century Colonial Malabar Uprisings through a

     Multi-Species Military-Environmental History 

     

  • Emily Gioielli (Worcester Polytechnic Institute)

    Parasite. A Multispecies and Integrated History of the Holocaust and Second World War in Central Europe

16:00 - 16:30Kaffeepause / Coffee Break
16:30 - 17:00 

Fotoausstellung “Natur – Tiere – Krieg” / Presentation of the Photo Exhibition ‘Nature – Animals – War’

Moderation: Jannes Bergmann (HU Berlin)

 

  • Jan-Martin Zollitsch (Humboldt-Universität zu Berlin)

    Der „Mord an der Natur“ (Edmond de Goncourt) und weitere tier- und umwelthistorische Perspektiven auf den 

    Deutsch-Französischen Krieg

     

  • Alexander Bonk (Universität Gießen)

    Vom ,Niemandsland’ in die Naturlandschaft. Die Ostfront des Ersten Weltkriegs in den Fotoalben 

    deutscher Soldaten, 1914-1918

17:00 - 18:00

Neues aus dem AKM und Verleihung des Wilhelm-Deist-Preises für Militärgeschichte / 

Awarding of the Wilhelm Deist Prize (in German)

ab 19:00

 

Gemeinsames Abendessen (Selbstzahler) / Conference Dinner (self-paid)

Brauhaus Rietkötter

Große Beckstraße 7
44787 Bochum

 Freitag, 18. Sept. 2026
9:00 - 10:45 

Panel 6: Animals versus technology? (in English)

Chair: Mieke Roscher (University of Kassel) 

Discussant: Anna-Katharina Wöbse (Albert Ludwig University of Freiburg)

 

  • Andrea Gutiérrez (The University of Texas Austin)

South Asia’s Captive Elephants at War. Evidence across Archives

 

  • Nicole Karafyllis (TU Braunschweig)

When Military Pigeons Have Served Their Time. On Animal Assistance Systems During and After the War from

Philosophy of Technology Point of View

 

  • Anne Runhaar (University Leiden)

War as an Interspecies Practice. Marine Mammals Between Cold War Military Programs and Contemporary Warfare?

10:45 - 11:15Kaffeepause / Coffee Break
11:15 - 13:00  

Panel 7: Eastern European Landscapes from Past to Present (in German/English)

Chair: Jannes Bergmann (HU Berlin)

Discussant: Timm Schönfelder (Leibniz Institute for the History and Culture of Eastern Europe, Leipzig)

 

  • Christoph Nübel (Bundeswehr Centre of Military History and Social Sciences, Potsdam)

Space as a Resource. Geopolitical Visions of the Baltic Region during the Long First World War

 

  • Yuliya Yurchuk (Södertörn University)

Lives Under Fire. Animals, Interconnectedness, and More-Than-Human Narratives in Ukraine

 

  • Linas Svolkinas (Conflict and Environment Observatory)

Russian War and Cetacean.: Mapping Military Activity Harm on Black Sea Cetaceans and Their Habitats

13:00 - 13:30 

Schlusskommentar & Abschlussdiskussion / Closing Remarks & Final Discussion

Moderation: Alexander Reineke (Ruhr University Bochum)

 

  • Frank Reichherzer (Bundeswehr Centre of Military History and Social Sciences, Potsdam)

     

  • Mieke Roscher (University of Kassel)

     

  • Timm Schönfelder (Leibniz Institute for the History and Culture of Eastern Europe, Leipzig)

Veranstalter

Organisationsteam und Kontakt

E-Mail: naw-conference2026.us.fk17@tu-dortmund.de

Für Medienvertretende

Oberstleutnant Michael Gutzeit

Leiter der Informationsarbeit des ZMSBw

Telefon: 0331 9714 400

ZMSBwPressestelle@bundeswehr.org

Natur – Tiere – Krieg

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Veranstaltungsort

Studierende laufen vor Uni Gebäude, Hochhaus mit TU Dormund Logo

TU Dortmund

Rudolf-Chaudoir-Pavillon
August-Schmidt-Str. 1
44227 Dortmund Veranstalter Dortmund

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