Deutsche Hochschule der Polizei
Universität der Polizeien des Bundes und der Länder
Zum Roten Berge 18–24
48165 Münster
Die Entsendung deutscher militärischer und polizeilicher Kräfte ins Ausland gehört seit Jahrzehnten zu den zentralen Instrumenten deutscher Außen- und Sicherheitspolitik. Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR wurden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vielfältige Formen militärischer und polizeilicher Auslandstätigkeit entwickelt.
Gemeine Einsatzvorbereitung: Deutsche Soldaten und Polizisten planen die Durchführung einer Übung zur Aufstandsbekämpfung (Crowd and Riot Control) bei der NATO-Mission KFOR in Ferizaj/Kosovo (Aufnahme vom September 2024)
Bundeswehr/PAO KFORIn einer gemeinsame Tagung leuchten die Deutsche Hochschule der Polizei (DHPol) und des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) die Zusammenhänge zwischen Polizei und Streitkräften aus. Diese Auslandsentsendungen bieten ein besonders produktives Feld für eine gemeinsame Untersuchung von Polizei und Militär. Denn gerade in diesem Kontext verliert die klassische Aufgabentrennung zwischen Polizei und Militär im Spannungsfeld von innerer und äußerer Sicherheit an Kontur; zugleich werden professionelle Selbstverständnisse, Rollenbilder und institutionelle Logiken beider Bereiche neu ausgehandelt. Insbesondere in Krisen- und Konfliktregionen verschwimmen die Grenzen zwischen militärischen und polizeilichen Aufgabenfeldern vielfach – zwischen Krieg, Ordnungssicherung, Stabilisierung und Kriminalitätsbekämpfung.
Eine vergleichende Perspektive verspricht daher neue Einsichten in die Erfahrungsräume, Handlungspraktiken und Deutungsmuster beider Institutionen sowie in ihre Wechselwirkungen. Gleichwohl sind militärische und polizeiliche Auslandsentsendungen bislang überwiegend getrennt voneinander untersucht worden. Studien, die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Wechselwirkungen beider Bereiche systematisch analysieren, liegen bislang kaum vor.
Auf Patrouille: Die deutsche Polizei in Afghanistan wurde auf Patrouille von der Feldjägertruppe begleitetet (Aufnahme vom Januar 2009)
Bundeswehr/EinsFüKdoZiel der Tagung ist es daher, aktuelle Forschungen und praxisbezogene Perspektiven auf deutsche militärische und polizeiliche Auslandsentsendungen erstmals in einem gemeinsamen Forum zusammenzuführen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Neben geschichtswissenschaftlichen und interdisziplinären Forschungsbeiträgen sollen dabei auch Erfahrungsberichte von Praktikerinnen und Praktikern einbezogen werden. Vergleichend angelegte Einzelbeiträge sind ausdrücklich willkommen, aber keine Voraussetzung. Der vergleichende Blick soll insbesondere in den Diskussionen, Kommentaren und der gemeinsamen Reflexion der Beiträge entwickelt und geschärft werden.
Dieses Vorgehen eröffnet neue Einsichten in die Frage, wie Polizei und Militär ihr Handeln im Ausland legitimieren, vor Ort umsetzen und reflektieren, wie sie Wissen, Normen und Praktiken in internationale Zusammenhänge übersetzen und wie sich ihre Rollenbilder im Spannungsfeld zwischen innerer und äußerer Sicherheit verändern. Zugleich erlaubt es, institutionelle Blindstellen sichtbar zu machen, die sich aus unterschiedlichen Mandatierungen, rechtlichen Grundlagen, Dokumentationspraktiken und organisationalen Kulturen ergeben und die Bedingungen militärischer und polizeilicher Auslandsverwendungen nachhaltig prägen. Nicht zuletzt eröffnet der Blick auf die Wahrnehmungen und Zuschreibungen der Menschen in den Einsatzgebieten neue Einsichten in die Frage, was vor Ort als „Polizei“ und was als „Militär“ erscheint.
Als inhaltliche und methodische Klammer dient ein erfahrungsgeschichtlicher Zugang, der neben prägenden Erfahrungen bei den Auslandsentsendungen auch die vorgeschalteten individuellen und institutionellen Erwartungen sowie die sich wandelnden Erinnerungen einschließt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erfahrungen sowie die Erwartungs- und Deutungsmuster sowohl der im Ausland tätigen Militär- und Polizeiangehörigen als auch von Akteuren und Institutionen in Deutschland und in den Einsatzgebieten, die mit diesen Entsendungen befasst oder von ihnen betroffen waren.
Im Sinne einer solchen erfahrungsgeschichtlichen Perspektive interessieren insbesondere Beiträge, die sich mit folgenden Fragen befassen:
Mit welchen individuellen, professionellen und institutionellen Erwartungen gingen deutsche militärische und polizeiliche Akteurinnen und Akteure in Auslandsentsendungen?
Wie nahmen die entsandten Kräfte ihr Engagement vor Ort wahr?
Welche Auswirkungen hatten ihre Erfahrungen auf ihr berufliches Selbstverständnis, auf Rollenbilder und institutionelle Identitäten?
Wie wurden Belastung, Gefahr, Unsicherheit und psychosoziale Ausnahmesituationen individuell und institutionell verarbeitet?
Welche Erfahrungen machten lokale Sicherheitskräfte, politische Eliten und die lokale Bevölkerung mit den deutschen militärischen oder polizeilichen Akteurinnen und Akteuren?
Inwiefern unterschieden sich militärische und polizeiliche Erfahrungsräume, und wo lassen sich Überschneidungen oder wechselseitige Lernprozesse erkennen?
Wie veränderten sich Deutungsmuster und Erinnerungen an Auslandsentsendungen im zeitlichen Verlauf?
Welche Erfahrungsbestände, Narrative und institutionellen Lehren wirkten in spätere deutsche Engagements und sicherheitspolitische Debatten hinein?
Laden Sie hier den Call for Papers (DE) herunter.
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Download Call for Papers (EN) PDF, barrierefrei, 59 KBGundula Gahlen (DHPol)
Haydée Mareike Haass (DHPol)
Silvia-Lucretia Nicola (ZMSBw)
Markus Pöhlmann (ZMSBw)
Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Reisekosten können für Vortragende in Anlehnung an das Bundesreisekostengesetz übernommen werden.
Bitte senden Sie ein Abstract (max. 300 Wörter) sowie eine kurze biografische Notiz (max. 150 Wörter) bis zum 15.06.2026 an Denise Tschirner: denise.tschirner@dhpol.de
von Gundula Gahlen
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48165 Münster
Tagungen, Konferenzen und Workshops von und mit dem ZMSBw.