Nachruf

Zum Tod von Dr. Georg Meyer

Zum Tod von Dr. Georg Meyer

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Am 20. September 2022 ist in Freiburg i.Br. unser früherer Kollege Wissenschaftlicher Direktor a.D. und Oberstleutnant d.R.der Reserve Dr. Georg Meyer verstorben.

Villa Ingenheim

Villa Ingenheim, Dienstsitz des ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam.

Maurice Woynoski

Ein Nachruf

Georg Meyer wurde am 9. Oktober 1937 geboren. Er studierte in Göttingen und promovierte dort mit einer Arbeit über „Das Konversations-Lexikon, eine Sonderform der Enzyklopädie“. Nach einer Tätigkeit als Lektor bei Brockhaus kam er zum damaligen Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg.

Er machte sich schnell einen Namen im Bereich der Entstehungsgeschichte der Bundeswehr, wo es ihm gelang, eine Vielzahl neuer und bis dahin nicht nutzbarer Quellen zu erschließen. Vor allem wusste er Zeitzeugen zu befragen und deren Aussagen in seine Arbeit einzubringen. Mit einer Vielzahl von ehemaligen Generalen der Bundeswehr, aber auch mit Angehörigen der Nachrichtendienste war er persönlich befreundet.

Neben seinen beiden Großbeiträgen in den Bänden 1 und 3 der Reihe „Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik“ ist seine Biographie über Adolf Heusinger zu erwähnen, die er 2001 publizierte, deren Thesen allerdings auch in der Forschung nicht unwidersprochen blieben. Zugleich schrieb Dr. Georg Meyer immer wieder Beiträge für ein breites Publikum, vor allem in der Zeitschrift „Militärgeschichte“ des MGFAMilitärgeschichtliches Forschungsamt.

Konservativ, aber jedem politischen Extremismus gegenüber scharf ablehnend, blieb Dr. Georg Meyer auch nach seiner Zurruhesetzung 2002 vielen Angehörigen seiner ehemaligen Dienststelle verbunden; über einem guten Glas Wein, ebenso gutem badischem Essen und – soweit noch erlaubt – einer guten Zigarre suchte er den geschliffenen Austausch. Auch jungen Historikerinnen und Historikern aus unserem Haus stand er mit seinem unerschöpflichen Wissen mit guten Hinweisen zur Seite und genoss das Gespräch über ihre Forschungsarbeiten. Trotz schwindender Sehkraft verfolgte er das wissenschaftliche Geschehen bis zuletzt aufmerksam und mit nicht nachlassendem Interesse.

Das ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ihm ein gutes, ehrendes Gedenken bewahren.

von Winfried  Heinemann