Wissen und Krieg

Wissen und Krieg

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  • Führung
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Wissen und Krieg. Taktisches Lernen des deutschen Heeres 1888 bis 1926.

Ein Projekt von Dr. Christian Stachelbeck

Stachelbeck

Wegweiser für die Moderne: Die Dienstvorschrift zum Gefecht der verbundenen Waffen

ZMSBw 2021

In der Forschung unterschiedlichster Wissenschaftsdisziplinen steht heute außer Frage, dass Organisationen lernen und somit auch das Militär als Organisation lernt. Wissen steht in einer engen Wechselbeziehung zum Lernen als Anpassung eines komplexen Systems an Umweltbedingungen: „Lernen ist der Prozess und Wissen das Ergebnis“ (Helmut Willke).

Die Forschungsgegenstände „Wissen“ und „Lernen“ im Militär sind in der deutschen Historiografie bislang kaum berücksichtigt worden. Vorwiegend angloamerikanische Militärhistoriker haben sich dem Thema Lernen im Kontext von Innovation und Adaption in den Streitkräften zugewendet. Vielfach gilt dabei die deutsche Armee bis in den Zweiten Weltkrieg hinein als eine überaus lernfähige Organisation: Sie habe schon vor 1914 viel Wert auf formales Lernen und eine gründliche Ausbildung gelegt. Damit ließe sich auch eine hohe taktisch-operative Leistungsfähigkeit deutscher Truppen in beiden Weltkriegen erklären.

Gab es in diesem Kontext einen „typical German way of war“, wie ihn einige Autoren konstatieren? Gerhard P. Groß hat 2012 in seiner Analyse des operativen Denkens im deutschen Heer Helmuth von Moltke (dem Älteren) bis Adolf Heusinger aufgezeigt, wie weit ein vermeintlich „typical German way of war“ an Mythen haftete oder der Wirklichkeit entsprach. Für die Ebene der taktischen Kriegführung fehlt eine solche längsschnittartige Studie, zumal bis heute weitgehend unklar ist, wie die Organisation deutsches Heer eigentlich gelernt hat.

Diese Studie fragt nach dem Prozess organisationalen Lernens, insofern nach der Erschließung, der Bewahrung, dem Transfer und der Umsetzung bzw. Anwendung von taktischem Wissen für den Krieg. In diesem lernkulturellen Kontext und ausgehend von der These, dass das deutsche Heer als Organisation evolutionär-kompromisshaft lernte, soll geklärt werden, ob und wie sich längerfristig ein spezifisches taktisches Lessons-Learned System entwickelt hat und wie die taktische Aus- und Fortbildung der Offiziere gestaltet wurde.