Projektverbund Staatsgewalt und Streitkräfte

Organisation und Politik des Bundesministeriums der Verteidigung

Organisation und Politik des Bundesministeriums der Verteidigung

  • BMVg
  • Demokratie
Datum:
Lesedauer:
2 MIN

Für das Buchprojekt werden erstmals Aufbau, institutionelle Kultur und ausgewählte Politikfelder des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVgBundesministerium der Verteidigung) und seiner Vorläufer erforscht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das Verteidigungsministerium im demokratischen Staat vor dem Hintergrund der NSNationalsozialismus-Vergangenheit konzipiert, institutionalisiert, problematisiert und fortentwickelt wurde. Dafür greift das Projekt Ansätze der Organisationsgeschichte, Demokratiegeschichte sowie der neueren Staatlichkeitsforschung auf.

Ein Projekt von Christoph Nübel

BMVg auf der Hardthöhe

Das Bundesministerium der Verteidigung auf der Hardthöhe, 1969.

Bundeswehr / Oed

Geschichte des BMVgBundesministerium der Verteidigung 1950-1990

Die Geschichte des 1955 geschaffenen Verteidigungsministeriums und seiner Vorläufer, der Zentrale für Heimatdienst (1950) sowie des Amtes Blank (1950-1955), ist von großer Relevanz für das Verständnis der Zeitgeschichte der Bundesrepublik. Das BMVgBundesministerium der Verteidigung war die politische und militärische Schaltstelle für die Führung und Verwaltung der westdeutschen Streitkräfte. Damit bestimmte es die politische und binnenmilitärische Verfasstheit des Militärs in Westdeutschland in ganz maßgeblicher Weise. Es verkörperte die Spitze und damit den Kristallisationspunkt des militärischen Teils demokratisch konzipierter Staatsgewalt. Somit lassen sich am Beispiel des BMVgBundesministerium der Verteidigung zentrale Probleme der Bonner Republik ausleuchten. Dazu zählen die nationalsozialistische Vergangenheit, Demokratisierungsprozesse, die Debatte um Regierbarkeit oder die Frage des Staatsverständnisses, das sich auch in Abgrenzung zur DDRDeutsche Demokratische Republik konstituierte.

Inhaltlich schließt das Projekt an die Forschung zur Geschichte der obersten Bundes- und Landesbehörden an und erweitert sie in dreifacher Hinsicht: Erstens zeitlich, indem auch die 1970er und 1980er Jahre in den Blick genommen werden; zweitens thematisch, indem nicht allein nach NSNationalsozialismus-Kontinuitäten gefragt wird. Diese werden vielmehr als immer wieder relevanten Bestandteil ministerieller Diskurse und Praktiken begriffen, die jedoch auch gegenwartsbezogenen Logiken folgen konnten.

Helmut Schmidt übergibt das Amt des Verteidigungsministers an Georg Leber

Amtsübergabe im Bundesministerium der Verteidigung: Der vormalige Verteidigungsminister Helmut Schmidt (l.) schreitet mit seinem Nachfolger, Georg Leber (r.), die Ehrenformation der Bundeswehr ab, 10.7.1972.

picture alliance /Fritz Fischer/Fritz Fischer

Analyseebenen

Um die Geschichte des BMVgBundesministerium der Verteidigung zu untersuchen, unterscheidet das Projekt zwei analytische Ebenen:

  • Auf der Ebene der Staatlichkeit richtet es seinen Fokus auf Organisationsstrukturen, Verwaltungskultur und Führungs- sowie Entscheidungsprozesse im BMVgBundesministerium der Verteidigung. Auf diese Weise gerät das Ensemble von historisch wandelbaren Diskursen und Praktiken in den Blick, die Staatlichkeit erst hervorbringen.
  • Auf der Ebene der Demokratie analysiert das Projekt den Umgang des BMVgBundesministerium der Verteidigung mit seinem Personal sowie die Geschlechterrollen und -verhältnisse im Ministerium. Weiterhin wird das Vorgehen des BMVgBundesministerium der Verteidigung im Zusammenhang mit der politischen Betätigung von Soldaten sowie sozialen Protestbewegungen untersucht.

Die Studie ist Teil des Projektverbundes am ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zur Erforschung der Geschichte des westdeutschen Verteidigungsministeriums.