Mit der Tagung „Der Krieg hat kein Geschlecht, das Militär schon? Militär. Geschichte. Geschlecht.“ nimmt sich das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBwZentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) einem bislang marginalisierten Themenkomplex an. Sie richtet sich insbesondere an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen der Gender Studies und der Modern Military History, will aber ausdrücklich auch Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachgebieten zur Teilnahme ermuntern.

Männer kämpfen, Frauen fliehen? 

Die Beteiligung und Betroffenheit von Frauen an bzw. durch Krieg, Gewalt und Militär stellt inzwischen keine „Leerstelle“ der wissenschaftlichen Betrachtung dar, als die sie Maja Apelt 2005 markieren musste. Umfassende Forschungen hat das Themenfeld aber insbesondere in der deutschen Militärgeschichte seither nicht ausgelöst. Vielleicht dominiert in der hiesigen medialen Wahrnehmung des derzeitigen Krieges in der Ukraine in diesem Kontext auch deswegen einmal mehr eine eher triviale Berichterstattung: Vom Krieg und der Gewalt insgesamt betroffen sind zwar alle, doch im Kampf stehen regelmäßig die Männer, während sich die Frauen um die Familie kümmern, gegebenenfalls mit ihren Kindern fliehen müssen. Dabei scheint zumindest in der Breite unterzugehen, dass etwa jeder fünfte Soldat in der regulären ukrainischen Armee bei Kriegsbeginn eine Soldatin gewesen ist. Dementsprechend erfahren wir nichts über sich daraus ergebende Konsequenzen für oder in der Kriegführung.

Geht es wiederum um die Opfer von Gewalt, sieht es ganz anders aus: Hier dominieren Frauen und Kinder bei den Geflüchteten, den Schutzsuchenden wie bei den Getöteten und Verletzten. Obwohl wir seit langem über „neue“ Kriege oder „asymmetrische“ Kriegführung diskutieren, obwohl in den meisten Staaten der Welt Frauen in den jeweiligen Streitkräften dienen, scheint in der Antizipation von Kriegen weiterhin ein Geschlechterbild manifest, das von der gesellschaftlichen Realität längst überholt wurde. So war auch der unlängst diskutierte „Deutsche Krieger“ offenbar ganz selbstverständlich männlichen Geschlechts, sowohl in der Geschichte als auch der Gegenwart.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich insbesondere in der Beschäftigung mit dem Militärischen ganz allgemein, über die Wissenschaft und die Organisation, bis hin zu den Entscheidungsebenen, patriarchale Strukturen noch immer massiv auswirken. Das wirft erneut eine ganze Reihe von Themen auf, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der unterschiedlichen Disziplinen diskutiert werden sollen.

Die Tagung versteht sich als Versuch, die Ergebnisse unterschiedlicher Forschungsdisziplinen und -ansätze gemeinsam zu diskutieren. Darüber hinaus sieht sie sich als Chance, sich miteinander zu vernetzen und diese Verbindung zu verstetigen.

Beispiele hierfür können sein:

Hinweise für Vortragende

Bitte reichen Sie Ihr Exposé (max. 500 Wörter) für eine Projektvorstellung von etwa 20 Minuten ein. Ebenso bitten wir um einen kurzen akademischen Lebenslauf.
Deadline: 20.09.2022

Sprach(en) der Veranstaltung: Englisch, Deutsch

Reisekosten können ggf. in Anlehnung an das Bundesreisekostengesetz übernommen werden.

Veranstalter und Ausrichter

Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

Dr. Friederike Hartung, Helene Heldt und Dr. John Zimmermann

Kontakt: HeleneHeldt@bundeswehr.org

Presse: zmsbwpressestelle@bundeswehr.org