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Ardennen-Offensive: Verzögerung des Untergangs

Ardennen-Offensive: Verzögerung des Untergangs

Datum:
Ort:
Belgien
Lesedauer:
3 MIN

Zum Ende des Jahres 1944 versuchte die Wehrmacht im Westen mit einer Offensive die Niederlage im Zweiten Weltkrieg abzuwenden. Hitlers beste Generale hatten dies geplant und das schlechte Wetter sollte die fehlende Luftwaffe ersetzen. Der sichere Untergang der NSNationalsozialismus-Diktatur wurde durch erste Erfolge nur marginal verzögert. Dafür fielen fast 100000 deutsche Soldaten innerhalb weniger Wochen. 

bunte Karte mit blauen und roten Pfeilen, die die Marschbewegungen zeigen

Ardennen-Offensive 16.-24.12.1944

Bundeswehr/Bernd Nogli

Glauben und Wünschen im Endkampf

Nur Märchen beginnen mit den Worten: „Vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat.“ Im Jahr 1944 hatten das Glauben und das Wünschen aber schon längst einen festen Platz in der Operationsplanung der Wehrmacht. Das Großdeutsche Reich wurde im selbsterklärten „Kampf um die Festung Europa“ in die Zange genommen. Nach der Landung in der Normandie vom Sommer 1944 drängten die Alliierten die Wehrmacht bis Dezember auf die deutschen Grenzen zurück. Im Osten hatten Stalins Soldaten die Heeresgruppe Mitte vernichtet. Die für den Februar 1945 angesetzte Konferenz von Jalta sollte zur Planung der Sieger über Nachkriegsdeutschland genutzt werden. Jeder wollte dabei mit militärischen Erfolgen in die Verhandlungen gehen. Während an der Weichsel eine neue russische Offensive vorbereitet wurde, waren die USAUnited States of America und Großbritannien bei Arnheim mit ihren Plänen zur Einnahme des Ruhrgebiets vorerst gescheitert. Nach Kämpfen um Aachen und den Hürtgenwald sollte der Angriff auf den Rhein fortgesetzt werden. 

Durch die Eifel Richtung Antwerpen

Mit einem Durchbruch nach Westen glaubte Hitler, die Koalition der Briten und USUnited States-Amerikaner nachhaltig stören zu können. Wie im Sichelschnitt-Plan 1940 sollte eine Offensive in den Ardennen das Kriegsglück wenden. Damit dachte Hitler den deutschen Truppen im Osten einen freien Rücken für den „Endsieg“ zu verschaffen. Der Schlieffen-Plan von 1914 stand dabei Pate, allerdings in einer erbärmlichen Variante. Der Oberbefehlshaber (OB) West, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, und der mit der Offensive beauftragte OB der Heeresgruppe B, Generalfeldmarschall Walter Model, wussten, dass Hitlers „große Lösung“ eines Angriffs aus der Eifel durch die Ardennen in sieben Tagen bis nach Antwerpen illusorisch war, planten aber trotzdem die Operation mit über 200000 Mann. Und weil die Luftüberlegenheit bei den Alliierten lag, musste schlechtes Wetter zur Planungsauflage werden. Für die Offensive wurden Panzer zusammengezogen, nur der Betriebsstoff reichte nicht bis ins Angriffsziel. Man plante daher eine entsprechende Beute beim Feind im Zwischenziel ein. Eine solche Planung hatten die Gegner den Deutschen nicht zugetraut. Entsprechend groß war der Überraschungseffekt am 16. Dezember 1944. 

bunte Karte mit blauen und roten Pfeilen, die die Marschbewegungen der Wehrmacht zeigen

Ardennen-Offensive 1944

Bundeswehr/Hannelore Mörig

Der Kampf in der „Bulge“

Nach anfänglichen Erfolgen blieb die Offensive aufgrund deutscher Fehlplanungen und zähem Widerstand der USUnited States-Armee liegen. Die Amerikaner kämpften mit hohen Verlusten gegen die Einbuchtung in der Frontlinie, der „Bulge“ [engl.: Beule].  Legendär wurde dabei die Verteidigung des Verkehrsknotenpunktes Bastogne.  Der deutschen Aufforderung zur Kapitulation antwortete USUnited States-Kommandeur, General Anthony McAuliffe, ganz offiziell mit einem lakonischen „Nuts!“. Teile der Armee des Generals der Panzertruppe Hasso von Manteuffel belagerten eine Woche lang die Stadt bevor USUnited States-General George S. Patton der Entsatz gelang. Mit gutem Flugwetter brach am Jahresende die Ardennenoffensive dann komplett zusammen. Anfang Februar 1945 kämpften die Deutschen im Westen wieder in ihren alten Stellungen; die Reserven vernichtet, 77000 alliierte und 90000 deutsche Soldaten gefallen.  Der alliierte Vormarsch war zwar um vier Wochen verzögert worden, dafür standen die Russen an der Oder.  Mit der Wehrmacht und den NSNationalsozialismus-Verbrechen sollte es bald ein Ende haben. Aber noch im März 1945 schrieb Generalfeldmarschall Model an seine Kommandeure im Westen: „Der Krieg wird nicht mit dem Rechenstift, auch nicht durch Pflichterfüllung allein gewonnen. Entscheidend ist der Wille zum Sieg und der Glaube an ihn!“ Wenige Wochen später erschoss sich Model im Ruhrkessel. General Hasso von Manteuffel war zu diesem Zeitpunkt schon in der Verteidigung der Oderfront eingesetzt. Er hätte damals wohl kaum geglaubt, dass er sich zehn Jahre später als FDPFreie Demokratische Partei-Angeordneter des Deutschen Bundestages den Namen „Bundeswehr“ für die nächsten deutschen Streitkräfte ausdenken würde.

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DOI: https://doi.org/10.48727/opus4-733

von Dr. Heiner Bröckermann

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